Bereits seit fast einem Jahrzehnt mischt Annemarie Leniger ehrenamtlich beim Deutschen Tee & Kräutertee Verband mit. Nun, 2024, rückt sie zur Vorsitzenden auf – ein Wechsel, der fast schon wie eine gut gezogene Tasse Tee anmutet: ausgeglichen, konsequent und mit langem Nachklang. Leniger bringt nicht nur einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund mit, sondern sie leitet auch als Geschäftsführerin die Ostfriesische Teegesellschaft – ihre Wurzeln reichen also tief ins Feld der deutschen Teeindustrie. Ihr Vorgänger Frank Schübel von Teekanne hat dem Verband in den letzten Jahren seinen Stempel aufgedrückt; viele neue Projekte und frischer Wind werden ihm zugeschrieben. Im Vorstand neu hinzugekommen: Dr. Christian Mestwerdt, der ebenfalls aus dem Hause Teekanne stammt – was ein interessantes Signal sein dürfte.
Was Annemarie Leniger in ihrer neuen Rolle antreibt? Zum einen das Ziel, Tradition und Vielfalt zu wahren. Nach außen genießen deutsche Tees und Kräutertees weiterhin großen Respekt – sowohl bei uns, als auch international. Dennoch will sie die positive Wahrnehmung des Produkts stärken und aufrechterhalten. Das sei, so Leniger, gerade angesichts wachsender regulatorischer Anforderungen und der angespannten Lieferketten essentiell. Sie setzt sich für praktikable und realitätsnahe Regulierungen ein; übertriebene Vorschriften könnten der Branche eher schaden als nützen, mahnt sie. Und ehrlich gesagt, manchmal fragt man sich ja wirklich, ob die Komplexität neuer Gesetze nicht öfter an der Praxis vorbeigeht.
Ein Thema, das ihr besonders am Herzen liegt: Nachhaltigkeit. Klingt abgedroschen, ist aber im Teebusiness längst keine Floskel mehr. Leniger hebt hervor, dass soziale Verantwortung und Verbraucherschutz innerhalb der Branche schon lange gelebt werden – das sei mehr als bloße Gesetzesbefolgung. Dennoch: Nachhaltiges Wirtschaften ist komplex, und so manch neue Vorschrift bremse oft mehr, als sie helfe. Sie fordert ein Umdenken weg von Standard-Paragraphen hin zu echten, vor Ort wirksamen Lösungen.
Der Verband versteht sich als Interessenvertretung und Kompetenzzentrum für Tee und Kräutertee – nicht nur als Sprachrohr der Mitglieder, sondern auch als Advokat für eine moderne, ausgewogene und gesunde Teekultur. Einen Fokus legen sie zudem auf die ständige Weiterentwicklung ökologischer und sozialer Standards, die Maßstäbe setzen sollen. Wer sich also für Tee begeistert oder einfach neugierig ist, kann dem Verband durchaus Beachtung schenken. Lustig, dass so ein allgegenwärtiges Getränk im Hintergrund von so vielen Fragen und Herausforderungen begleitet wird.
Annemarie Leniger übernimmt 2024 den Vorsitz des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands – nach fast zehn Jahren als stellvertretende Vorsitzende. Sie setzt sich insbesondere für eine stärkere Sichtbarkeit deutscher Tees, realitätsnahe gesetzliche Rahmenbedingungen sowie echte Nachhaltigkeit ein. Aktuelle Diskussionen kreisen vor allem um die Transformation globaler Lieferketten, zunehmende Anforderungen durch das EU-Lieferkettengesetz und den wachsenden Wettbewerbsdruck durch internationale Anbieter. Hinzu kommt laut neuen Branchenanalysen die Herausforderung, junge Zielgruppen in Deutschland stärker für Tee und Kräutertee zu begeistern – beispielsweise durch neue Sorten, Nachhaltigkeitsinitiativen oder kreative Vermarktungskonzepte. Parallel dazu verzeichnet die Branche trotz Inflation einen leichten Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs von Tee, was als positive Signal gesehen wird. Laut aktuellen Medienberichten bleibt jedoch die Unsicherheit bezüglich regulatorischer Änderungen und ihrer Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen ein zentrales Thema.