Schon wieder eine neue Studie, diesmal vom Ifo-Institut aus Dresden. Die Zahlen sind dabei weniger überraschend als vielmehr alarmierend: Die allseits geäußerte Feindseligkeit zwischen Parteianhängerinnen und -anhängern der Bundesrepublik steigt weiter. Besonders der politische Graben zwischen der Union und den Grünen wird tiefer – ja, fast schon unüberwindbar. Klara Lehmann vom Ifo-Institut betonte, entgegen gängigen Annahmen, die AfD spiele hier keine maßgebliche Rolle bei dieser Verschärfung. Ein interessanter Punkt – das hätte ich persönlich so nicht erwartet, wenn ich ehrlich bin. Egal ob im Osten oder Westen: Das Misstrauen und die Antipathien nehmen in beiden Landesteilen nahezu im Gleichschritt zu.
Die Analyse zeigt auch: Fast die Hälfte des Zuwachses seit 2020 geht allein auf das angespannte Verhältnis zwischen Union und Grünen zurück. Ein Fünftel ist auf den kühlen Wind zwischen Union und SPD zurückzuführen. Was das Ganze ausgelöst hat? Tja, darauf gibt es – wie so oft – keine einfache Antwort. Zu viele Dinge sind parallel passiert: Pandemie, Ukraine-Krieg, Streitereien rund um die Ampelkoalition.
Das Ifo-Team verwendet einen fortgeschriebenen Polarisierungsindex, der anhand von Politbarometer-Daten die Sympathiewerte und Wahlabsichten analysiert. Seit 2013 sind 65 Prozent der Polarisierung auf echte Feindseligkeit zurückzuführen, also nicht darauf, dass nur Stimmen anders verteilt sind. Im Osten scheint der Index etwas stärker zu steigen, aber auf dem Papier liegt das vor allem an anderen Parteienverhältnissen – die tatsächliche Entwicklung der Ablehnung ist in Ost und West fast deckungsgleich.
Die Kluft zwischen den Fans der großen Parteien hat sich in den letzten Jahren klar verschärft, wie neue ifo-Daten zeigen. Überraschend ist, dass vor allem die Konfrontation zwischen Union und Grünen maßgeblich ist, während die AfD eher am Rand steht. Die Ursache ist schwer festzumachen – mehrere große Krisen und die aufgeheizten Debatten rund um Covid und Ukraine scheinen aber als Brandbeschleuniger gewirkt zu haben.
Jüngste Berichte von „Der Spiegel“ und „FAZ“ weisen auf ähnliche Trends hin: Sie betonen, dass gesellschaftliche Polarisierung immer öfter Debatten ins Private verlagert – selbst Freundeskreise zerbrechen teils an Parteigräben. Neue Datenerhebungen bei „taz“ zeigen zudem, dass diese Feindseligkeiten nicht nur an den Wahlurnen sichtbar werden, sondern auch in Online-Foren und sozialen Medien eine verstärkt aggressive Tonlage annehmen, was die digitale Öffentlichkeit weiter fragmentiert. In Meinungsumfragen von „Zeit Online“ berichten viele Befragte, dass sie mittlerweile ihre politische Meinung häufiger für sich behalten und direkte Konfrontationen vermeiden; dies wird als ein Zeichen gesellschaftlichen Rückzugs interpretiert.