Realo-Grüne üben Druck auf Bundesverband der Grünen Jugend aus

Prominente Grüne aus dem Realo-Lager fordern vom Bundesverband der Grünen Jugend einen neuen Kurs – es geht um mehr als nur Parolen.

heute 14:25 Uhr | 2 mal gelesen

„Wer sich sträubt, die gesellschaftliche Mitte zu erreichen, macht es sich letztlich nur in der bequemen Nische gemütlich – aber Probleme löst man damit keine“, meinte der Bundestagsvizepräsident und Grünen-Politiker Omid Nouripour laut 'Spiegel'. Besonders die grüne Jugend in Baden-Württemberg und Hessen bekommen von ihm positives Feedback: Sie hätten im Wahlkampf echte Anliegen erkannt und sich mit den harten Themen beschäftigt, mit denen Bürger täglich ringen. Im Vergleich dazu würden andere, mutmaßt Nouripour, vor allem durch laute Töne auffallen, weniger durch Substanz.

Auch Finanzminister Danyal Bayaz aus Baden-Württemberg mahnte die Grünen Jugend zur Selbstreflexion. Bei der letzten Bundestagswahl hätten – irritierenderweise – viele junge Wählerinnen und Wähler eher AfD oder Linkspartei gewählt, statt den Grünen ihr Vertrauen zu schenken. In den jüngsten Landtagswahlen wiederum, betont er, habe Cem Özdemir gerade bei jungen und neuen Wählenden deutliche Erfolge erzielen können. Das müsse die Grüne Jugend Bundesverband schon nachdenklich stimmen: 'Etwas mehr Zweifeln, weniger Besserwisserei', empfiehlt Bayaz.

Henriette Held und Luis Bobga, die Bundesvorsitzenden der Grünen Jugend, hielten dagegen: Auch nach der Wahl müsse man Positionen kritisch hinterfragen und Kontroversen in die Partei tragen. Authentisch bleiben heiße schließlich, nicht alles brav abzunicken, meinen sie im 'Spiegel'. Zu viele junge Menschen, berichten sie, fühlen sich von den aktuellen Grünen schlichtweg nicht mehr vertreten. Bobga, der besonders junge Menschen mit Migrationsbiographie anspricht, bestätigt: Viele lehnen die Neuausrichtung der Grünen Migrationspolitik ab.

In der Wahlnacht bei ntv gab Bobga zu Protokoll, dass gute Wahlergebnisse unter Özdemir nicht zwangsläufig auch bessere Politik für die Menschen vor Ort brächten. Stichwort: Wahlsieg von Özdemir am 8. März, der gegen CDU-Konkurrent Hagel durchsetzte – doch manche Gräben bleiben offen.

In den letzten Tagen ist der innerparteiliche Streit bei den Grünen zwischen Realos und dem Bundesverband der Grünen Jugend wieder eskaliert: Realo-Politiker wie Nouripour und Bayaz fordern, dass die Grüne Jugend sich stärker gesellschaftlichen Realitäten stellt und weniger plakative Extrempositionen einnimmt. Die Jugendorganisation verteidigt ihren konfrontativen Kurs mit dem Hinweis, dass Kritik und Debatte essenziell für eine lebendige Partei seien und viele junge Menschen sich durch aktuelle grüne Positionen, vor allem in der Migrationspolitik, nicht mehr vertreten fühlen. Recherchen zeigen, dass dieses Thema – der Konflikt zwischen pragmatischer Regierungsbeteiligung und fundamentaler Werteorientierung – momentan das Selbstverständnis vieler Parteien in Europa durchrüttelt. Im Licht aktueller Entwicklungen werden von vielen Medien und politischen Stimmen sowohl die Unzufriedenheit junger Wähler*innen mit den Grünen als auch Ängste vor einer weiteren Fragmentierung des progressiven Lagers betont. Mehrere Zeitungen berichten, dass zunehmende gesellschaftliche Polarisierung die Parteiendemokratie vor neue Herausforderungen stellt, und dass die Grünen im Spagat zwischen Regierungsverantwortung und jugendlichen Protesten immer stärker unter Druck geraten.

Schlagwort aus diesem Artikel