Manchmal liest man ja Nachrichten, da stutzt man. Der jüngste Plan der Rentenkommission – durchgestochen an die 'Bild' – ist so ein Fall. Demnach wird das Eintrittsalter stufenweise auf 70 erhöht – allerdings langsam, ein halbes Jahr pro Jahrzehnt, beginnend ab 2042. Für viele klingt das nach ferner Zukunft, aber irgendwie auch wie ein laues Versprechen, das Unvermeidliche doch noch aufzuschieben. Die eigentliche Neuerung steckt woanders: Ein Teil der Rentenbeiträge soll zukünftig in Aktien investiert werden – zunächst ein Prozent vom Bruttolohn, verteilt auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Später sogar zwei Prozent. Gerade im Osten Deutschlands könnte das ein Gamechanger sein; dort fehlt vielen die betriebliche Zusatzrente komplett.
Die klassische Betriebsrente bleibt erst einmal außen vor, weil sie – so die Experten – zu viel Bürokratie mitbringen würde. Stattdessen kommt der alte Bekannte namens 'Nachhaltigkeitsfaktor' zurück, der die Rentenerhöhungen automatisch abbremst, falls die Zahl der Einzahler stagniert oder sinkt. Normalerweise führt das zu weniger Rentendynamik, aber die neue Kapitalrente soll das Minus auffangen. Laut den Prognosen der Kommission könnten ab 2040 Renten sogar wieder stärker steigen, das Ziel: ein Gesamtniveau von 50 Prozent bis 2050 – zumindest für jene, die heute mitten im Berufsleben stehen oder sich gerade warm laufen.
Apropos warm laufen: Die Kommission will auch die Zahl der Beitragszahler massiv ausweiten. Politiker aller Ebenen, Selbstständige und Vorstandsbosse dürfen künftig ebenfalls zahlen – Beamte allerdings vorerst nicht. Dazu sollen klassische Minijobs wegfallen, bis auf Schülerjobs mit einem Deckel von 603 Euro. Alles unter dem Schirm, Altersarmut zu bekämpfen, speziell bei Frauen. Ob das alles klappen wird? Ich weiß es nicht – aber an Ideen mangelt es nicht.
Die Rentenkommission präsentiert einen umfassenden Vorschlag zur Neuordnung der deutschen Altersvorsorge. Kernpunkte sind die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung mit einem Ziel von 70 Jahren im späten 21. Jahrhundert, der Einstieg in eine kapitalgedeckte Zusatzrente durch Aktienanlagen sowie die Ausweitung der Beitragspflicht auf Politiker und Selbstständige – nur Staatsdiener sind vorerst ausgenommen. Das große Ziel ist es, das Rentenniveau langfristig auf 50 Prozent zu steigern und Altersarmut, vor allem bei Frauen und Ostdeutschen, entgegenzuwirken. Zusätzlich gibt es aktuell Diskussionen über die Unsicherheiten an den Finanzmärkten – gerade im Hinblick auf eine kapitalgedeckte Rente. Laut Berichten aus der SZ und FAZ sieht die Bundesregierung die Reform pragmatisch, aber auch mit einem gewissen Risiko behaftet, insbesondere weil die Demografie und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwer kalkulierbar bleiben. Gleichzeitig verweisen viele Kommentatoren auf die Notwendigkeit breiter gesellschaftlicher Debatten, da ein nachhaltiges Rentensystem langfristige Akzeptanz braucht.