Wenn eine Rolltreppe – präziser: eine Rolltreppe ins Unbekannte – sinnbildlich für den Übergang von der Kunsthochschule in das echte, oft gnadenlos widersprüchliche Kunstleben steht, dann passt der Ausstellungstitel wie die Faust aufs Auge. Die Ausstellung „escalators to: big bang“ zeigt, wie die 43 Absolvent*innen der weißensee kunsthochschule berlin den Sprung von sicher-geführtem Hochschulumfeld hinaus in den oft konfusen, manchmal grellen, manchmal dunklen Kunstbetrieb wagen. Da sind Malereien, Skulpturen, Videos, Textilarbeiten, Fotografie und reichlich Mut zur Irritation – alles mit dem Gedanken im Hintergrund: Der Weg nach oben ist selten nur eine Richtung und schon gar kein Selbstläufer. Vielmehr ist es ein ständiges „Auf und Ab“, ein permanentes Aushandeln zwischen eigenen Visionen und äußeren Ansprüchen. Das Zitat von Christiana Spens („Even when it all blows up, there will always be stars and there will always be dark matter: for this is the art world.“) fängt diesen Moment der (Un)Sicherheit wunderbar ein – und schenkt Besucher*innen einen Seitenblick auf den Kosmos der jungen Kunst. Wen es also reizt, frische Ideen und Namen am Start zu erleben – es gibt wohl keinen besseren Ort und Zeitpunkt.
Die zentrale Abschlussausstellung der Bereiche Bildhauerei und Malerei findet in der Radsetzerei Berlin (Revaler Straße 99, Halle 16, 10245 Berlin) statt. Die Eröffnung steigt am Freitag, den 3.7.2026, von 18 bis 22 Uhr. Anschließend ist die Ausstellung an den Wochenenden 4./5.7. sowie 11./12.7.2026 jeweils von 12 bis 19 Uhr offen. Kuratiert wird das Ganze von Emily Pretzsch und Leopold Caspar Schaefer, für die Performances sorgt Mara Aiko Bushil. Mehr als 40 Namen – darunter Canberk Akçal, Sophia Henry Brown, Hami N. K. Mehr, Shulamith Weisz Quinn und viele weitere – stehen hinter den Werken.
Kontakt für Rückfragen: Veronika Breuning (Weißensee Kunsthochschule; Tel. 030 47705-222; E-Mail: presse@kh-berlin.de).
Die Ausstellung „escalators to: big bang“ in der Radsetzerei Berlin markiert den Moment des Übergangs von 43 angehenden Künstler*innen – ein Aufbruch vom schützenden Rahmen der Kunsthochschule Weißensee in die Unberechenbarkeit der Kunstszene. Präsentiert werden vielfältige Ausdrucksformen, die sowohl persönliche Entwicklungsdynamiken als auch systemische Herausforderungen im Kunstbetrieb aufgreifen; das Leitmotiv von Ambivalenz und Vielschichtigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Werkschau. Auffällig an Berliner Kunstschauplätzen der letzten zwei Jahre: Die Durchlässigkeit zwischen Genres, dazu ein wachsendes Interesse am Brückenschlag zwischen politischer Reflexion und künstlerischer Experimentierfreude – oft reagieren die jungen Künstler*innen geradezu trotzig-optimistisch auf Markt- und Erwartungsdruck.
Weitere belegte Recherchen: Die meisten Abschlussausstellungen der künstlerischen Hochschulen in Berlin adressieren explizit gesellschaftliche Gegenwartsfragen wie Nachhaltigkeit, Diversität oder das Spannungsverhältnis zwischen individueller Autonomie und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dazu erleben performative und partizipatorische Formate eine besondere Konjunktur, vermutlich als Gegenentwurf zu tradierten Präsentationsformen in Galerien und Museen; spürbar ist zugleich der Versuch, Kunst wieder stärker in den öffentlichen Diskurs zu rücken. Laut aktuellen Berichten bleibt Berlin ein Knotenpunkt für ambitionierte Nachwuchskünstler*innen aus aller Welt, weil Freiräume und experimentelle Plattformen erhalten (wenn auch nicht ausgeweitet) werden konnten – trotz zunehmender Kommerzialisierung und Gentrifizierung in der Kulturszene.