Rosa Riese: Eine Verbrechensjagd zwischen Wende und Wahnsinn

Mainz – In der Umbruchszeit nach dem Mauerfall hält ein Serienmörder die Gegend um Potsdam-Mittelmark in Atem. Der Unbekannte mordet ungeniert bei Tageslicht, verrät seine Präsenz jedoch nur durch Schockierendes an den Tatorten: auffällige Damenschlüpfer in XL, verstreut im dichten Forst. Die Medien geben ihm den Spitznamen „Rosa Riese“. Die neue SWR-Dokureihe aus der ARD Crime Time, inszeniert von Dina Dada und Sophie Apelt, zeichnet ab dem 23. Februar 2026 ein detailreiches und zugleich beunruhigendes Bild – verfügbar in der ARD Mediathek und später am Abend im Hauptprogramm.

heute 09:28 Uhr | 10 mal gelesen

Mit den Filmemacherinnen der ARD Crime Time-Serie begibt sich Krimiautorin Sophie Sumburane auf eine Reise durch ihre eigene Vergangenheit, die von Verbrechen und kollektiven Ängsten geprägt ist. Die Bewohner*innen der Region tragen ihre Erinnerungen, keine glatten Geschichten, sondern Echos von Misstrauen, Unsicherheit – und Schlagzeilen, die plötzlich alles verändern. In den Interviews tauchen Polizeibedienstete, Augenzeugen und Journalisten auf, die ihre eigenen, manchmal widersprüchlichen Sichtweisen beitragen. Die dreiteilige Serie spürt einem Täter nach, der nicht nur Verbrechen begeht, sondern vielmehr ein Brennglas auf eine zerbrechende Gesellschaft wirft – ganz nebenbei.

Der Fall „Rosa Riese“, im echten Leben unter dem Namen Wolfgang Schmidt bekannt, erschüttert Anfang der 1990er Brandenburg. Seine Mordserie in der ländlichen Umgebung von Potsdam-Mittelmark fällt in eine Periode tiefgreifender sozialer Umwälzungen – während DDR-Strukturen zerfallen, kollabieren auch gewohnte Sicherheiten. Die neuen Dokumentationsfolgen beleuchten, wie Polizei und Gesellschaft mit den Übergriffen auf Frauen umgingen, wie Boulevardmedien ein Monster stilisierten und wie anhaltende Traumata in der Region zurückblieben. Inzwischen leben einige der direkt Betroffenen weiterhin im Schatten der Ereignisse – mit der ständigen Frage: Wieviel von damals steckt noch in den Erinnerungen und wer verarbeitet wie? Neben den gesellschaftlichen Narben wird in True-Crime-Form die Ermittlungsarbeit, Fehlschläge und schicksalhafte Zufälle dokumentiert. Zur aktuellen Resonanz: In jüngeren Artikeln der FAZ und Zeit Online wird diskutiert, wie solche Kriminalfälle auch heute noch das Bedürfnis nach Sicherheit und Sensation beeinflussen und Debatten um Umgang mit Täterbiografien neu entfachen.

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