Am Montag, kurz vorm Treffen mit seinen EU-Kolleginnen und Kollegen, setzte Johann Wadephul, Christdemokrat mit erfahrener Stimme, einen nachdenklichen Kommentar ab: "Es überrascht mich, wie Ungarn gerade agiert." Er erwarte eine offene Diskussion mit seinem ungarischen Gegenüber. Für Wadephul ist klar: Gerade die Geschichte, gerade Ungarns frühere Rolle als Freiheitskämpfer, sollte Mahnung und Ansporn sein, europäisch zu denken und zu handeln. "Es gibt kaum ein Land, dem wir aus deutscher Sicht so viel schulden – 1989 und all das. Ungarn hat sich doch immer für Freiheit und Europa entschieden, daran sollte man erinnern." Zugespitzt wirft er in den Raum: "Es ist nicht das richtige Signal, wenn nationale Interessen – etwa bei heiklen Themen wie Öllieferungen – plötzlich alles überstrahlen." Hintergrund des Streits: Die ungarische Regierung hatte zuletzt angekündigt, das milliardenschwere EU-Hilfspaket für die Ukraine aus Protest zu blockieren. Man wirft Kiew in Budapest vor, absichtlich Öllieferungen nach Ungarn zu sabotieren.
Die Debatte um Ungarns Blockade der EU-Hilfen für die Ukraine hat europaweite Wellen geschlagen. Wadephul appelliert an die traditionsreiche Verbundenheit zwischen Ungarn und Europa – dabei bleibt offen, wie belastend die Vorwürfe rund um Erdöl-Lieferungen wirklich sind. Der diplomatische Druck auf Ungarn wächst, zumal in Brüssel eine breite Einigkeit herrscht, das Unterstützungspaket für die Ukraine dringend durchzusetzen. Zusätzlich berichten verschiedene Medien, dass EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen deutliche Kritik an Ungarn übte und weitere Sanktionsmaßnahmen diskutiert werden. Unterdessen bleibt das Ringen um eine gemeinsame europäische Linie angesichts des Kriegs in der Ukraine von zentraler Bedeutung.