Schröder als Vermittler? SPD-Politiker zeigen Offenheit gegenüber Putins Vorschlag

Aus den Reihen der SPD kommen vorsichtig positive Signale zum russischen Vorschlag, Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg einzuschalten.

heute 12:30 Uhr | 4 mal gelesen

Eigentlich ist es erstaunlich: Ausgerechnet Gerhard Schröder, der wegen seiner Russland-Nähe bei vielen in der Kritik steht, könnte plötzlich eine diplomatische Rolle bekommen. Zumindest will man bei der SPD diesen Gedanken nicht vorschnell vom Tisch wischen. "Man muss jedes Angebot auf Herz und Nieren prüfen", sagte Adis Ahmetovic, außenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, dem 'Spiegel'. Für ihn gehört dazu, die Glaubwürdigkeit des Angebots zu testen – beispielsweise durch eine tragfähige Waffenruhe, die wirklich beiden Lagern zugutekommt. Ahmetovic betont, dass Entscheidungen über die Ukraine und Europas Sicherheit nicht nur von Washington und Moskau getroffen werden dürfen; Deutschland und die EU sollten sich keinesfalls an den Rand drängen lassen. Schließlich, so sieht es wohl auch der SPD-Abgeordnete Ralf Stegner, sollte man keine Option vorschnell ausschlagen, wenn sie einen Hoffnungsschimmer auf Frieden bietet. Schröder als Vermittler? Zumindest einen Versuch könnte es wert sein – solange die Ukraine selbst das letzte Wort behält. Ein diplomatischer Tanz auf dünnem Eis – aber vielleicht ist gerade jetzt ein wenig Mut gefragt.

Innerhalb der SPD gibt es Stimmen, die Putins Vorschlag, Gerhard Schröder solle als Vermittler im Ukraine-Krieg fungieren, nicht von vornherein ablehnen. Die Politiker Ahmetovic und Stegner betonen die Notwendigkeit, Möglichkeiten zur europäischen Mitsprache ernsthaft zu prüfen, auch wenn sie klein erscheinen. Zentral bleibt die Bedingung, dass es keine Einigung ohne die ausdrückliche Zustimmung der Ukraine geben darf. Aktuell wird in Medien wieder verstärkt über diplomatische Kanäle zwischen Russland und Europa diskutiert. Laut Berichten der Süddeutschen Zeitung und der FAZ wächst allgemein der Druck auf die EU, eigene Initiativen in den Friedensprozess einzubringen. In neueren Interviews zeigt sich außerdem, wie sehr sich innerhalb der SPD die Meinungen zum möglichen Einsatz von Schröder als Vermittler unterscheiden: Während einige seine Nähe zu Putin als Belastung sehen, setzen andere auf dessen Draht nach Moskau als letzte Trumpfkarte.

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