„Ein Vermittler sollte grundsätzlich das Vertrauen beider Konfliktparteien besitzen“, findet Strack-Zimmermann, die ihre Skepsis gegenüber Schröders Eignung als neutrale Figur kaum verhehlen kann. Schröders enge und langjährige Beziehung zu Putin, besonders nach der Annektion der Krim, wiege hierfür zu schwer, argumentiert sie. Nicht nur, dass Schröder bis weit in den Ukraine-Krieg hinein geschäftliche Kontakte zu russischen Unternehmen wie Nord Stream gepflegt habe; auch sein Besuch 2022 in Moskau – zusammen mit seiner Frau – wirke in diesem Kontext eher befremdlich, ja, fast surreal. Überhaupt fehle Schröder die deutliche, öffentliche Kritik am russischen Angriffskrieg – ein Umstand, der sein Image als neutraler Vermittler erheblich beschädigt. Kurzum: Für Strack-Zimmermann ist das Vorhaben reichlich zweifelhaft.
Interessant ist, dass auch die SPD, Schröders eigene Partei, eher abweisend reagiert hat. Michael Roth – früher Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses – nannte Putins Vorstoß, Schröder als Vermittler zu benennen, einen „Affront“ gegenüber den USA und einen durchsichtigen Versuch, Unruhe zu stiften. Er betonte, echter Friedenswille beginne mit einem echten Waffenstillstand und echten, akzeptablen Bedingungen für die Ukraine – und nicht mit einem persönlichen Freund Putins als Verhandler.
Strack-Zimmermanns Zweifel an Gerhard Schröders Vermittlerrolle im Ukraine-Krieg stehen exemplarisch für eine weit verbreitete Skepsis im politischen Berlin. Viele Abgeordnete, sowohl aus der Regierungskoalition als auch von der Opposition, betrachten Schröders enge wirtschaftliche und persönliche Beziehungen zu Putin als Hindernis für eine auch nur minimale Annäherung beider Konfliktparteien. Hinzu kommt, dass Schröders fehlende öffentliche Distanzierung von Putins Angriffskrieg in der Ukraine seinen Ruf als neutralen Vermittler weiter unterminiert.
Ergänzend zeigen aktuelle Entwicklungen, dass sowohl in der ukrainischen Führung als auch im europäischen Parlament Putins Vorschlag als geschicktes Manöver angesehen wird, um Zeit zu gewinnen und den Westen zu spalten. Die Bundesregierung hat sich bislang offiziell nicht zu Schröders potenzieller Vermittlerrolle positioniert, während viele Medien in Deutschland und Europa Putins Vorstoß als gezieltes Ablenkungsmanöver einordnen. Beobachter sehen darin außerdem eine Reaktion auf den zuletzt wachsenden internationalen Druck auf Russland, sich auf echte Friedensgespräche einzulassen.