Persönlich habe ich schon oft erlebt, wie rasch in Gesprächen mit Frauen an entscheidenden beruflichen Kreuzungen Sätze wie „Eigentlich sollte ich das können, aber…“ fallen. Elvira Rest kennt diese Mechanismen aus ihrer Beratungsarbeit nur zu gut. Sie insistiert: Solche Selbstzweifel sind kein persönliches Scheitern, sondern Teil weit verbreiteter sozialer Prägungen und struktureller Barrieren. Besonders bekannt macht sich das Impostor-Syndrom bemerkbar – der Gedanke, den Erfolg eigentlich nur äußeren Umständen zu verdanken, selbst wenn die Belege klar für die eigene Kompetenz sprechen.
Wie tief diese Zweifel reichen, ist schwer zu überschätzen. Sie schleichen sich nicht selten dort ein, wo äußere Anforderungen und eigene Glaubenssätze aufeinanderprallen: Im Konferenzraum, beim Gehaltsgespräch oder der Präsentation der nächsten großen Idee. Viele Frauen reagieren zögerlich, scheuen das Rampenlicht oder vertagen wichtige Entscheidungen aus einer diffusen Angst heraus, sich zu exponieren oder zu scheitern.
Der Hintergrund? Stereotype Rollenbilder, unterschiedliche Maßstäbe bei Durchsetzungsvermögen und Sichtbarkeit, dazu Erziehungsbotschaften wie: Anpassung sei wichtiger als Eigensinn; Perfektion mache akzeptabel. Das prägt – leise und nachhaltig. Es ist fast, als ob man als Frau in Führungsrollen wie mit einem unsichtbaren Rucksack unterwegs ist, gefüllt mit Erwartungen und inneren Bremsklötzen. Nebenbei: Schuld, Scham oder diffuse Unsicherheit sind keine 'Fehler' im System. Im Gegenteil, sagt Rest, sie sind sinnvolle Hinweise auf Spannungsfelder und Entwicklungspfade.
Der spannende Punkt: Wer anfängt, diese inneren Signale ernst zu nehmen und sie ein bisschen liebevoll zu betrachten, öffnet sich neue Möglichkeiten. Sichtbarkeit muss nicht unangenehm bedeuten, sondern kann Aufbruch markieren. Klare Entscheidungen, gemeinschaftlich oder eigenständig, werden leichter, wenn der Blick auf sich selbst weniger streng und zugleich bewusster wird. Ehe man sich versieht, verändert sich die eigene Wirksamkeit – im Team, im Kontakt mit anderen Entscheider:innen, aber auch im Umgang mit Geld oder neuen Projekten.
Gerade Unternehmerinnen oder weibliche Führungskräfte, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, berichten übrigens, dass ihr Selbstbewusstsein am ehesten gewachsen ist, nachdem sie Unsicherheit, Zweifel und sogar ein bisschen Angst nicht mehr als Gegner bekämpft, sondern als Wegweiser verstanden haben. Und, ganz ehrlich: Ein bisschen Kontrollverlust kann sogar inspirierend sein. Das muss man sich auch erstmal erlauben. Neben dem, was in Zahlen, Bilanzen und Strategien greifbar ist, bildet sich auf diese Weise eine neue ökonomische Kraft heraus: Klarheit, Entscheidungsfreude und das Zutrauen, auch mal auf Sicht zu fahren.
Der Artikel beleuchtet, wie Unsicherheit und Selbstzweifel, meist als Schwächen ausgelegt, für Frauen in Führungspositionen und unternehmerischer Verantwortung zu einem Motor für Wachstum und Selbstvertrauen werden können. Elvira Rest, Expertin für finanzielle Entscheidungsprozesse, zeigt auf, dass diese Gefühle oft auf strukturelle und gesellschaftliche Muster zurückzuführen sind – nicht auf persönliches Versagen. Statt die Gefühle zu verdrängen, empfiehlt Rest, sie bewusst zu reflektieren und als Hinweise auf Entwicklungschancen und Handlungsspielräume zu nutzen; so kann Unsicherheit die Tür zu Mut, Entscheidungsfähigkeit und klarerem Standing öffnen – gerade für Frauen, die oft zwischen eigenen Ansprüchen und äußeren Erwartungen bewegen müssen.
Erweiterte Recherche: Aktuelle Studien, etwa die McKinsey-Analyse "Women in the Workplace 2023", zeigen, dass trotz kleiner Fortschritte Unsicherheit, Diskriminierung und ein Mangel an weiblichen Vorbildern nach wie vor Karrieren ausbremsen. Zeitgleich wird in vielen neuen Initiativen (z.B. 'She Suite' oder 'Global Female Leaders Summit') mit Coaching und Mentoring gezielt daran gearbeitet, den Umgang mit solchen Gefühlen als Ressource zu nutzen. Neueste Artikel renommierter deutscher Medien heben hervor, dass die Wertschätzung von emotionaler Intelligenz und Reflexionsfähigkeit in der Leadership-Kultur ungeahnte Potenziale für Wachstum und Innovation eröffnet, wenn Unsicherheiten nicht als Makel, sondern als menschlicher und produktiver Faktor begriffen werden.