Sexualaufklärung auf dem Prüfstand: Durex-Roundtable fordert Wandel an deutschen Schulen

Heidelberg – Kein Ruhmesblatt: 'Mal ehrlich, maximal ein befriedigend für Deutschlands Sexualkundeunterricht', sagt Erik Sczygiol von der Bundesschülerkonferenz. Nicht nur gefühlt – die steigenden Infektionszahlen (Syphilis plus 7%, Gonorrhö plus 11% innerhalb eines Jahres!) untermauern den Reformbedarf. Sexualaufklärung ist mehr als ein paar Biologiestunden, daher hat der Durex Roundtable unterschiedlichste Perspektiven zusammengebracht – von Politik bis TikTok – um echte Lösungen zu diskutieren.

heute 11:26 Uhr | 3 mal gelesen

Wer immer noch glaubt, Sexualkunde sei ein Selbstläufer, wird spätestens bei den aktuellen Zahlen stutzig: 40 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 fühlen sich nicht ausreichend informiert, wie sie sich vor Geschlechtskrankheiten schützen können. Knapp die Hälfte sieht sich dem Druck rund um ihre ersten sexuellen Erfahrungen nicht gewachsen. Noch schlimmer: Viele wissen gar nicht, wie und wo sie Hilfe bekommen. Die Schule? Spielt kaum eine hilfreiche Rolle – so das Ergebnis der Durex Global Sex Survey 2024. Beim Durex Roundtable saßen dann tatsächlich mal die richtigen Leute an einem Tisch: Schüler:innen, Lehrer:innen, Influencer, Wissenschaftler. Viel war die Rede von der sogenannten TikTok-Generation, für die vieles online stattfindet – und eben auch Mythen, Unsicherheiten, teils fragwürdige Rollenbilder. Ein Mitdiskutierender brachte es auf den Punkt: 'Schule muss digitale Räume ernst nehmen.' Noch dazu wird das Thema gern ins Biologie-Nebenfach eingekerkert, Lehrkräfte sind oft unsicher und schlicht überfordert, die Unterrichtsmaterialien sind eher verstaubt als hilfreich. Gerade fehlt oft ein sicherer, unangreifbarer Raum für offene Fragen. Darüber sprach unter anderem Prof. Dr. Heinz Jürgen Voß, der mit SeBiLe 2.0 aufzeigt, dass man Lehrpläne wie auch Lehrpersonal zeitgemäß ausbilden muss. Im zweiten Panel war dann Reform das Thema: Mindeststandards, verpflichtende Lehrerfortbildungen, aktuelles Material, mehr Zusammenarbeit mit Externen. Dabei wurde klar, dass sich digitale und persönliche Aufklärung ergänzen müssen. Insgesamt: Der Bedarf ist riesig, der Weg dorthin nicht klar, aber: Sexualaufklärung ist kein Add-on, sondern Prävention – und zwar für alle.

Der Durex Roundtable zeigte eindrücklich, wie groß der Nachholbedarf bei der sexuellen Bildung an deutschen Schulen ist: Die wichtigsten Ergebnisse der Diskussionsrunde waren, dass Lehrkräfte deutlich besser geschult, Unterrichtsmaterialien modernisiert und die Sexualkunde nicht nur auf Biologiestunden beschränkt werden dürfen. Überraschend deutlich wurde betont, wie wichtig eine ernsthafte Auseinandersetzung mit digitalen Plattformen (TikTok, Instagram & Co.) ist – besonders, da gerade dort Desinformation und konservative Rollenbilder grassieren. Das Modellprojekt SeBiLe 2.0 könnte dabei ein zukunftsweisendes Beispiel geben, wie fächerübergreifender, respektvoller und wissenschaftsbasierter Unterricht aussehen kann. Weitere Details aus aktueller Online-Recherche: Die Debatte um Sexualkunde wird aktuell hitzig geführt. In vielen Bundesländern gibt es noch immer große Unterschiede bei den Lehrplänen, zahlreiche Stimmen fordern einen bundesweit einheitlichen Standard und mehr Geld für Aufklärungsmaterialien. Neuere Artikel berichten außerdem, dass insbesondere unter prekären sozialen Bedingungen junge Menschen besonders schlecht erreicht werden, was die Notwendigkeit von niedrigschwelligen, mehrsprachigen und digitalen Angeboten noch unterstreicht. Initiativen wie "Liebesleben" des Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung werden weiterhin ausgebaut und bieten ergänzende Informationsquellen – zugleich bleiben aber Fragen um Datenschutz und Qualität digitaler Angebote existent. Sexualpädagog:innen bemängeln außerdem, dass Sexualkunde weiterhin häufig auf heteronormative Vorstellungen reduziert und Aspekte wie Queerness oder Konsens marginalisiert werden.

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