Beginnen wir mit der Kategorie „Kinder & Jugend“. 'Sieger sein!', ein Jugendfilm aus der Schmiede von DCM Pictures (für MDR/SWR/WDR), sticht hier heraus. Die Geschichte: Mona, elf Jahre alt, kommt mit ihrer kurdischen Familie aus Syrien nach Deutschland und landet direkt im grauen Herzen von Berlin-Wedding. Ihr Deutsch ist holprig, aber beim Fußball macht ihr so schnell niemand etwas vor. Der Lehrer Herr Chepovsky – oder kurz Herr Che – erkennt Monas Talent und zieht sie ins Schulgirlsteam. Doch schnell wird klar: Einzeltalente gewinnen keine Meisterschaften, sondern nur das Zusammenspiel aller. Dieser Film räumte bereits einige Preise ab, darunter den Deutschen Filmpreis. Wer ihn noch nicht kennt, findet ihn in der ARD Mediathek.
Weniger absehbar und ziemlich kurios mutet die Geschichte hinter der Doku 'Der talentierte Mr. F.' an (Neue Flimmer für MDR/ARD Kultur/BR/RBB/HR, ebenfalls bei ARD Mediathek online). Zwei Berliner Filmstudenten stecken Herzblut in ihren Animationsfilm 'Butty', träumen von der großen Bühne – bis der Schock kommt: Disqualifikation vom Festival, weil ihr eigener Film angeblich bereits einem Ami gehört. Ein Fall von dreistem Ideenklau? Auf ihrer Recherche stoßen die beiden auf bizarre Machenschaften, einen amerikanischen Mr. F., der sich mit 'Butty' ins Rampenlicht schiebt. Wer steckt dahinter? Wie ist so etwas überhaupt möglich? Die Wahrheit ist (wie so oft) noch verblüffender als der Plot.
In der Kategorie „Information & Kultur“ ist 'Ja prischlá – Ich bin angekommen' nominiert, ein bewegender Kurzfilm von Anna und Lea Hardock, der auf eigenen Familienerfahrungen der Regisseurinnen basiert. Die drei Generationen führen einen leisen, fast schon intimen Dialog über das Ankommen, Heimatverlust, Krieg und Trauer. Anfangs wirkt alles noch wie die typisch deutsche Geschichte einer Spätaussiedlerfamilie – doch der Film gibt vielschichtige, schmerzhafte Einblicke in das lange Verschieben und Neudefinieren des Begriffs Ankommen. Wer mit eintauchen will, kann auch diesen Film über die ARD Mediathek sehen.
Obendrein ist der MDR bei weiteren Grimme-Favoriten dabei, darunter die Doku 'Russlands wilde 90er – Zwischen Demokratie und Putin' sowie (im Jugendbereich) 'Grüße vom Mars' und 'Y-Kollektiv: Y-History'. Auch Formate wie 'KiKA LIVE Style Stars', 'Lenas Hof' und 'PUR+' sind unter den Anwärtern. Gerade der Kinderbereich hat, gefühlt, so viele Nominierte wie schon lange nicht mehr – das spricht vielleicht auch für den Hunger nach relevanten, jungen Geschichten.
Der MDR ist dieses Jahr mit einer auffälligen Bandbreite an Produktionen für den Grimme-Preis im Rennen. In der Kategorie „Kinder & Jugend“ sind sowohl fiktionale als auch dokumentarische Formate vertreten – und spiegeln so die große thematische Spannbreite wider, die von Migrationserfahrungen ('Sieger sein!') bis hin zu kreativen Eigentumskonflikten ('Der talentierte Mr. F.') reicht. Besonders bemerkenswert: Der gesellschaftliche Fokus und eine bewusst weibliche und migrantische Perspektive durch die Regisseurinnen des Kurzfilms 'Ja prischlá – Ich bin angekommen', die das Thema Heimatverlust mit persönlicher Familiengeschichte verknüpfen.
Die Grimme-Preis-Nominierungen 2024 stehen im Zeichen gesellschaftlicher Debatten: Themen wie Integration, Identitätsfindung, Plagiatsvorwürfe in der Kreativbranche oder die Auseinandersetzung mit deutschen und postsowjetischen Biografien stehen im Mittelpunkt. KiKA und der MDR rücken erneut kindgerechten, aber nicht banalen Journalismus ins Rampenlicht. Nach aktuellen Medienberichten werden die Grimme-Preisträger im März bekanntgegeben und gelten als wichtige Trendbarometer für Qualität und Innovation im deutschen Fernsehen.
Nach aktuellen Artikeln aus verschiedenen deutschen Nachrichtenportalen zeigt sich zudem: Immer mehr Kinder- und Jugendproduktionen greifen sensible gesellschaftliche Themen wie Identität, Ausgrenzung und Kreativitätsverlust auf und verschaffen jungen Stimmen Gehör. Für den MDR bedeutet diese mehrfach gestreute Nominierung nicht nur einen Prestigegewinn, sondern stärkt auch die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als Impulsgeber in gesellschaftlichen Debatten.
Außerdem reflektieren Diskussionen aktuell über die Herausforderungen der deutschen Filmlandschaft: Trotz hochwertiger Inhalte kämpfen Produktionen – gerade im Kinder- und Jugendsegment – verstärkt um Sichtbarkeit, Finanzierung und Anerkennung gegenüber internationalen Streaming-Anbietern.