RWI-Ökonom: Anhaltender Iran-Konflikt könnte Inflation nach oben treiben

Torsten Schmidt vom RWI-Leibniz-Institut warnt: Ein länger andauernder Iran-Krieg könnte Deutschland teuer zu stehen kommen – sowohl für die Verbraucher als auch für die gesamte Wirtschaft.

heute 05:02 Uhr | 3 mal gelesen

Wie sich die Preise an der Zapfsäule entwickeln, sagt manchmal mehr über die Weltlage aus als jede Tagesschau. Laut Torsten Schmidt, dem Konjunktur-Chef des RWI, dürfte sich das diesmal besonders bemerkbar machen: Sollte der Iran-Krieg über mehrere Wochen hinaus andauern, rechnet er mit einem kurzfristigen Inflationsschub auf bis zu sechs Prozent. "Sollte es länger als einen Monat dauern und weitere Öl- sowie Gasanlagen in den Golf-Staaten zerstört werden, drohen massive Engpässe. Der Ölpreis könnte auf satte 150 Dollar pro Barrel klettern", so Schmidt. Und was dann? Wachstum adé – Schmidt sieht Deutschland auf dem Weg ins vierte Rezessionsjahr in Folge. Falls es hingegen schneller zur Waffenruhe kommt, also noch im laufenden Monat, wäre das Schlimmste wohl verhindert: Die Inflation würde dann im Sommer bei rund drei Prozent liegen, über das Jahr etwa bei 2,6 Prozent. An den Zapfsäulen bleibt die Lage angespannt, denn Benzin und Diesel dürften erstmal nicht günstiger werden und sich weiter um die Zwei-Euro-Marke bewegen. Besonders kritisch wird es beim Gas. Schmidt klingt fast schon alarmiert: Mit einem Füllstand von nur 20 Prozent sei Deutschland sehr verwundbar, insbesondere wenn der Krieg länger dauert als gehofft. "Es besteht ein echtes Risiko, dass wir zum Winter keine vollen Speicher haben – und bei den aktuellen Preisen fehlt den Händlern der Anreiz, Gas einzulagern. Da spielen wir mit dem Feuer." Er schlägt daher vor, eine strategische Gasreserve ähnlich der beim Öl einzurichten. Klingt vernünftig, aber ob die Politik so schnell in Gang kommt?

Der Ökonom Torsten Schmidt warnt, dass ein andauernder Iran-Krieg nicht nur die Inflation in Deutschland kurzfristig auf sechs Prozent treiben, sondern auch das Wirtschaftswachstum zum Erliegen bringen könnte, was eine fortgesetzte Rezession bedeuten würde. Besonders problematisch sieht er Engpässe bei Öl und Gas, die durch die Zerstörung von Energieanlagen und stockende Importe entstehen könnten; zudem sei der momentan geringe Füllstand der Gasspeicher ein zusätzliches Risiko, da Händler angesichts hoher Preise wenig zum Einlagern motiviert seien. Die Debatte um eine strategische Gasreserve wird angesichts dieser Entwicklungen lauter – eine Maßnahme, die andere europäische Länder, wie etwa Frankreich, bereits intensiver diskutieren oder umsetzen. Laut aktuellen Recherchen (Stand: Juni 2024) beobachten mehrere Wirtschafts- und Nachrichtenportale die Lage mit Skepsis. Nach Einschätzung der Süddeutschen Zeitung beobachten Börsianer und Energiemärkte die Eskalation im Nahen Osten mit wachsender Sorge – selbst temporäre Lieferausfälle könnten die Energiepreise empfindlich stören und die Inflationsprojektionen vieler Institute erhöhen. Während die Bundesregierung zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung der Gasversorgung prüft, deuten Experten auf mögliche Dominoeffekte innerhalb der europäischen Lieferketten, insbesondere bei Gas, hin. Es bleibt ungewiss, wie schnell und entschlossen politische Akteure reagieren können, um eine Energiekrise im Winter zu verhindern.

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