Vor ihrem hundertjährigen Bestehen hat die SPIO eine kritische Bilanz ihrer Geschichte gezogen: Mit Unterstützung des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) hat sie Vorstand und Ehrenmedaillenträger auf ihre NS-Verstrickungen untersuchen lassen. Was sich ahnte, hat sich bestätigt – zahlreiche einflussreiche Persönlichkeiten, darunter sogar so bekannte Figuren wie Leni Riefenstahl und Heinz Rühmann, gehörten laut IfZ zur Kategorie 'NS-belastet' oder 'NS-konform'. Präsident Peter Schauerte spricht von einer moralischen Verpflichtung und davon, dass es unerlässlich ist, Fehler offen zu benennen und Konsequenzen zu ziehen: Man habe sich, so Schauerte, der Vergangenheit nicht länger entziehen dürfen.
Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet der frühere Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann: Obwohl mit NS-Vergangenheit belastet, habe er sich nach dem Krieg glaubhaft für kritische Aufarbeitung eingesetzt – und darf daher seine Medaille behalten, wie das Präsidium entschied. Es ist diese Differenziertheit, diese Unbestimmtheit der Biografien, die das Thema immer noch so konflikthaft und unbequem macht.
Der neue Preis, den die SPIO künftig vergeben will, soll grundlegend andere Maßstäbe setzen – nicht nur Branchenverdienste zählen, sondern auch politisches Verantwortungsbewusstsein und Einsatz für die Demokratie. Vizepräsidentin Julia Maier-Hauff sieht das für die gesamte Branche als Signal: Kunst und Freiheit sind eng mit demokratischer Offenheit verbunden. Teils klingt in den Ankündigungen Hoffnung an, teils die Sorge vor einer Wiederholung finsterer Geschichte. Es gibt keinen perfekten Umgang – aber immerhin den Versuch, nicht einfach zu schweigen.
Die SPIO hat durch eine unabhängige Studie des IfZ 14 frühere Ehrenmedaillenträger aufgrund ihrer NS-Belastung oder Konformität nachträglich von ihrer Auszeichnung entbunden. Der neue Preis, den die SPIO anstelle der Ehrenmedaille einführen wird, soll neben filmwirtschaftlichen Verdiensten auch das gesellschaftspolitische Engagement für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit besonders gewichten und ab 2026 vergeben werden. In den letzten Tagen wurde in mehreren Leitmedien kritisch über den Umgang deutscher Kulturinstitutionen mit ihrer Vergangenheit debattiert; parallel setzen ähnliche Organisationen wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels oder große Museen ebenfalls auf eine offene, selbstkritische Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte und betonen die Verpflichtung, im Umgang mit rechtsextremen Tendenzen klare Signale zu setzen. Nach aktuellem Stand befasst sich die Debatte zudem mit der Sensibilität, differenziert zwischen individueller Schuld und Wandlungsbereitschaft zu urteilen. Auch politische Reaktionen bleiben nicht aus: Während Kultusministerien eine stärkere Einbeziehung wissenschaftlicher Expertise fordern, mahnen zivilgesellschaftliche Akteure, dass volle Transparenz und kontinuierliche Aufarbeitung notwendige Pfeiler für die Glaubwürdigkeit von Kultureinrichtungen in einem demokratischen Gemeinwesen sind.