Gabriel Felbermayr, als Direktor des Wiener Wirtschaftsforschungsinstituts bestens vernetzt, ist der Ansicht, dass Europa in den aktuellen Gesprächen mit den USA am längeren Hebel sitzt. Mit Blick auf Donald Trump – und all den Unwägbarkeiten rund um seine Politik – ergibt sich laut Felbermayr die seltene Gelegenheit, einen deutlich besseren Kompromiss zu verhandeln.
Er hält wenig davon, das fast abgeschlossene Abkommen aus dem Sommer 2025 um jeden Preis durchzuwinken. "Hält die EU am Deal fest, macht sie sich letztlich zum Erfüllungsgehilfen einer US-Zollpolitik, die sie selbst nie wollte", so die etwas nüchterne Einschätzung des Ökonomen. Überhaupt, meint Felbermayr, sei das nun aufgeschobene Abkommen mit seinen 15 Prozent Zoll für Europa und freiem Marktzugang für amerikanische Exporteure klar unausgewogen.
Ein kleiner Lichtblick: Die Entscheidung des US Supreme Courts, bestimmte Strafzölle für rechtswidrig zu erklären, werten viele – Felbermayr eingeschlossen – als positives Signal für den Zustand amerikanischer Institutionen. Jenseits von Euphorie bleibt bei ihm ein Rest Skepsis: Wird die Unabhängigkeit der Notenbank Fed ebenso respektiert?
Was die schwächelnde deutsche Wirtschaft angeht, bleibt Felbermayr realistisch: "Einfach drauflos exportieren wird diesmal nicht die Lösung sein." Die EU müsse jetzt als Ganzes handlungs- und widerstandsfähiger gemacht werden. Ehrlich gesagt: Oft sind es auch die überraschenden Stellschrauben, an denen sich die großen Weichenstellungen entscheiden.
Der Ökonom Gabriel Felbermayr fordert angesichts der aktuellen Machtverhältnisse zwischen USA und Europa eine Neuauflage der Zollgespräche – mit besseren Bedingungen für die EU. Das frühere Abkommen aus 2025 bewertet er als überholt und kritisiert insbesondere die unausgeglichene Zollregelung. Außerdem wertet er jüngste Gerichtsentscheidungen in den USA als Beweis funktionierender Rechtstaatlichkeit und fordert, dass die EU künftig wirtschaftlich geschlossener auftreten muss. Aktuelle Berichte zeigen, dass die Spannungen im transatlantischen Verhältnis weiterhin groß sind; US-Strafzölle auf verschiedene europäische Produkte werden erneut diskutiert, während europäische Politik stärker auf Kooperationen in Asien setzt, um sich gegen mögliche Handelskonflikte zu rüsten. In den Medien ist die Skepsis groß, ob die EU auf Dauer als Bündnis handlungsfähig bleibt, und Stimmen werden lauter, die europaweite Investitionen und Innovation fordern, um unabhängiger von den USA zu werden.