Eine aktuelle Untersuchung des Teams um Forscher der Universität Bordeaux, erschienen am Mittwoch in 'Science Advances', malt ein deutlich düstereres Bild für die Zukunft der Amoc – also jener Meeresströmung, die oft als 'Europas Wärmepumpe' bezeichnet wird. Die Studie geht davon aus, dass sich dieses System bis Ende dieses Jahrhunderts um mehr als die Hälfte (exakt 51 Prozent) abschwächen könnte – sofern die politischen und ökologischen Weichen so gestellt bleiben wie jetzt (SSP2-4.5). Frühere Prognosen kalkulierten für das gleiche Zeitfenster noch mit einer mäßigeren Abschwächung um 32 Prozent. Wie heftig der Einbruch ausfällt, hängt auch davon ab, wie hoch der Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen in den nächsten Jahren tatsächlich ausfällt. Ein weiterer unterschätzter Faktor: Das zusätzliche Schmelzwasser aus Grönland wurde im aktuellen Modell noch nicht mitgerechnet – es könnte die Umwälzpumpe in Zukunft noch weiter bremsen. Vereinfacht gesagt, transportiert Amoc warmes Wasser aus den Tropen nach Norden und kaltes Wasser in die Tiefe und Richtung Süden. Damit beeinflusst sie maßgeblich das europäische Klima. Ein Zusammenbruch würde wohl fatale Folgen haben: In Nordwesteuropa könnten die Temperaturen um bis zu 15 Grad abrutschen, die Sommer litten unter Trockenheit, die Winter würden – ironischerweise – noch extremer ausfallen, und globale Regenmuster kämen ziemlich durcheinander. Übrigens, über genau diese Szenarien wurde schon früher spekuliert: Dass aber jetzt renommierte Forscher mit solch konkreten Zahlen aufwarten, verleiht der Debatte eine neue Dringlichkeit.
Die Studie der Universität Bordeaux kommt zu dem Schluss, dass die Amoc-Strömung bis zum Jahr 2100 deutlich mehr an Kraft verlieren könnte als bisher angenommen – ein Rückgang um 51 Prozent im mittleren Emissionsszenario. Solch ein Einbruch würde tiefgreifende Folgen für Klima, Wetterextreme und Landwirtschaft in Europa und möglicherweise auf der gesamten Nordhalbkugel haben. Klimaforscher weltweit beobachten solche Kipppunkte mit wachsender Sorge, da der Mechanismus als extrem verwundbarer Teil unseres Erd-Ökosystems gilt. Dazu kommt: Neuere Berichte, etwa von der NOAA oder dem Potsdam-Institut, bestätigen die Möglichkeit von schnelleren und schwereren Veränderungen als noch vor wenigen Jahren vermutet. Längere Hitzewellen, Dürreperioden und Unwetter könnten mehr als bislang Normalität werden. Seit der Veröffentlichung haben Medien weltweit auf die Dringlichkeit weiterer Forschung und wirksamer Klimapolitik hingewiesen – insbesondere, weil Unsicherheiten wie das abnehmende Grönlandeis und Rückkopplungseffekte weiterhin wenig präzise abzuschätzen sind. Das Thema bewegt nicht nur wissenschaftliche Kreise, sondern taucht vermehrt auch in politischen Diskussionen auf, etwa in Bezug auf Ernährungssicherheit, Energiepolitik und Belastungen für Alltagsmenschen in betroffenen Regionen.