Streit um Zurückweisungen: Uneinigkeit bei den Innenministern der Länder

Die Bundesregierung muss sich zunehmend rechtfertigen, warum weiterhin Asylsuchende an den deutschen Grenzen abgewiesen werden. Der Asylrechtler Daniel Thym warnt: Die rechtliche Grundlage wird schwächer. Angesichts bevorstehender EU-Regelungen wächst der Druck auf die Politik.

heute 16:30 Uhr | 2 mal gelesen

Ab Juni 2026 tritt ein neues, europaweit einheitliches Asylsystem in Kraft – das wird das Argumentieren für Zurückweisungen an den nationalen Grenzen erschweren. Bisher verweist die Bundesregierung gern auf einen EU-Notstandsartikel, der das nationale Recht über EU-Vorgaben erlaubt, wenn eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit vorliegt. Doch ob das noch lange haltbar ist? Die Argumentation gerät ins Wanken – denn eigentlich sollen alle EU-Mitglieder die Anträge prüfen, bevor Menschen zurückgewiesen werden. Die Meinungen bei den Innenministern der Bundesländer gehen auffallend auseinander: Während etwa Marion Gentges (CDU, Baden-Württemberg) und Joachim Herrmann (CSU, Bayern) die Grenzkontrollen loben und als notwendig bezeichnen – Herrmann geht sogar soweit, von einem weltweiten Signal zu sprechen –, äußert etwa Daniela Behrens (SPD, Niedersachsen) große Zweifel daran, ob wirklich noch Notstände vorliegen, die das Vorgehen rechtfertigen. Auch Claudia Schilling (SPD, Bremen) sieht die Gefahr, dass rechtsstaatliche Grundsätze und Integrationschancen missachtet werden, zumal viele Zuwanderer als potenzielle Fachkräfte dringend gebraucht werden. Dass die Lage verfahren ist, sieht man an der Skepsis vieler – übrigens auch an der Sorge, dass die Möglichkeiten der Bundespolizei ohnehin an ihre Grenzen kommen. Während die einen von notwendiger Härte in der Asylpolitik sprechen, mahnen andere, das Recht und die gesellschaftlichen Chancen nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Selten war die Debatte so aufgeladen und ambivalent.

Die Zukunft der Zurückweisungen an deutschen Grenzen steht spätestens mit Inkrafttreten des neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystems im Juni 2026 auf der Kippe – Experten wie Daniel Thym zufolge kann sich Deutschland dann kaum noch auf nationale Ausnahmebestimmungen stützen. Die Positionen gehen unter den Landesinnenministern weit auseinander: Die CDU/CSU plädiert für Grenzkontrollen als Instrument der Steuerung und Eindämmung, während SPD-Ministerinnen und Integrationspolitikerinnen auf die Einhaltung rechtsstaatlicher Ansprüche sowie die Notwendigkeit gesellschaftlicher Teilhabe und Integration verweisen. Laut aktuellen Medienberichten (z.B. ZEIT Online und FAZ) verstärkt sich die Debatte wegen steigender Migrationsbewegungen an den EU-Außengrenzen und Unsicherheiten, ob nationale Maßnahmen noch die gewünschte Wirkung erzielen, sodass Deutschland künftig stärker europäische Lösungen einbinden muss.

Schlagwort aus diesem Artikel