Ganz ehrlich, so wie Malmendier es sagt: Die letzten Prognosen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland hatten sowieso eher etwas von einer müden Diätkost — meist laue ein Prozent. Wenn dann noch durch externe Schocks wie die Konflikte im Nahen Osten die letzte Scheibe Brot weggenommen wird, steht am Ende auf der Wachstumsskala schnell die Null. Na, herzlichen Glückwunsch. Verschärft wird die Lage durch aufgepumpte Spritpreise und holprige Lieferketten — die altbekannten Achillessehnen der globalisierten Ökonomie. Ob das jetzt ein richtig tiefgehender Schaden wird? Malmendier gibt sich zurückhaltend: Es kommt darauf an, wie ernsthaft Regierung und Wirtschaft gegensteuern und wie sich die weitere geopolitische Lage entwickelt.
Dringender Handlungsbedarf besteht vor allem beim europäischen Binnenmarkt. Malmendier kritisiert, dass zu oft noch jeder Mitgliedsstaat vor allem auf die eigene Industrie schielt, statt daraus eine richtige Einheit zu machen. Zölle, kleine Handels-„Kabbeleien“ und eine Handvoll Vorschriften hier, ein bisschen Protektionismus da – für einen gemeinsamen Markt mit 450 Millionen Menschen definitiv ein eigenes Kapitel versäumter Chancen.
Immerhin: Die neue EU-Unternehmensform, die theoretisch in 48 Stunden gegründet werden kann – keine Formulare, kein Notar, klingt fast nach einer Utopie. Aber dann kommen doch nationale Pflichten und Einschränkungen um die Ecke, die das ganze Konstrukt gleich wieder ausbremsen. "Das ist halt noch keine echte europäische Firmengründung, eher ein nice try", so der Tenor.
Das 500-Milliarden-Sondervermögen, das zur vermeintlichen Ankurbelung dienen sollte, hält Malmendier für einen ziemlichen Rohrkrepierer. Sie spricht es offen aus: Viel Geld – aber nur wenig mehr echte Investitionen, weil zu große Anteile in lang bekannte Sozialthemen wie Mütterrente oder Pendlerpauschale verschwinden. "Eigentlich sollte das den Investitionsstau auflösen, nicht Löcher stopfen." Bleibt der Eindruck, dass Deutschland auf halber Strecke stehen bleibt und die Chance auf nachhaltiges Wachstum zur Hälfte verschenkt.
Zum Schluss noch ein Satz, der viel sagt: Malmendier will sich bei Kritik weder von Parteien noch von modischen Debatten beeinflussen lassen – die Daten sprechen für sich. Und sie hofft, dass auch nach ihrem Austritt aus dem Sachverständigenrat jemand ehrlich bleibt.
Der Nahost-Konflikt verschärft die angespannte wirtschaftliche Situation in Deutschland, wobei die ohnehin schwachen Wachstumsraten weiter erodieren könnten. Ulrike Malmendier betont, dass nachhaltige Verbesserungen sowohl von entschlossenem politischen Handeln – vor allem beim EU-Binnenmarkt und einer effizienten Energieversorgung – als auch von einer Abkehr von nationalem Protektionismus abhängen. Jüngste Analysen anderer Wirtschaftsexperten und Leitartikel der großen deutschen Medien unterstützen Malmendiers Standpunkt, gehen aber teilweise noch weiter: Sie verweisen unter anderem auf die globale Unsicherheit der Lieferketten (Stichwort: blockierte Handelswege und gestiegene Rohstoffpreise), eine schwächer als erwartete Investitionsdynamik und darauf, dass die Bundesregierung erneut an einem Spagat zwischen kurzfristigen Entlastungen und langfristigen Weichenstellungen scheitert. Nach Einschätzung weiterer Wirtschaftsforschungsinstitute bleiben die Prognosen auch für 2025 fragil: Sinkende Exporte, eine schleppende Erholung des Konsums und die weiterhin hohe Abhängigkeit von internationalen Märkten werden als zusätzliche Hemmschuhe gesehen. Gleichzeitig gibt es neue Forderungen, endlich echte europäische Wachstumsimpulse zu schaffen – etwa über mehr grenzüberschreitende Digitalisierung und durch eine vereinfachte Unternehmensgründung auf EU-Ebene, wie sie Malmendier anmahnt.