Es ist schon irgendwie eigenartig: In ein paar Tagen rollt der Ball bei der Fußball-WM in Kanada, Mexiko und den USA – und ein Großteil der Deutschen scheint davon relativ unberührt. Wie die aktuelle Umfrage von Forsa (im Auftrag von RTL und ntv) auswirft, freut sich nur etwa jeder vierte Deutsche ehrlich auf das Sport-Großereignis. Der Löwenanteil, nämlich 71 Prozent, zuckt beinahe achselzuckend mit den Schultern und verspürt so gar keinen WM-Zauber.
Etwas anders sieht es natürlich aus, wenn man gezielt bei den Fußballbegeisterten nachhakt. Hier liegt die Vorfreude immerhin bei respektablen 52 Prozent. Ein kurzer, vielleicht nicht überraschender Nebensatz: Männer haben traditionell ein bisschen mehr WM-Schmetterlinge im Bauch (31 Prozent) als Frauen (21 Prozent).
Was wiederum interessant ist: Trotz des fehlenden Überschwangs hat sich doch mehr als die Hälfte der Deutschen vorgenommen, Spiele live zu verfolgen – 52 Prozent, um genau zu sein. Viele (29 Prozent) schalten allerdings nur ein, wenn die eigene Nationalelf kickt, während 23 Prozent durchaus auch neutrale Matches schauen wollen.
Im Vergleich zur letzten WM in Katar scheint das Interesse also sogar leicht gestiegen zu sein (2022 wollten nur 45 Prozent einschalten). Aber gegen den Hype von 2018 in Russland? Keine Chance – da lagen die Zahlen schlicht höher.
Ein oft übersehener Gradmesser für echte Begeisterung: Fanartikel. Auch hier bleibt es im Wesentlichen ruhig im Land. Gerade einmal sieben Prozent der Deutschen haben bisher etwas im WM-Kontext gekauft – meist Trikots oder andere Textilien (vier Prozent), ab und zu mal eine Fahne fürs Wohnzimmer oder den Autospiegel (zwei Prozent). Der Großteil aber? Hat bisher keinen Cent für Fan-Utensilien springen lassen. Fast schon ein bisschen traurig, oder? Aber vielleicht ist es auch nur ein leises Taktgefühl vor dem Anpfiff – das weiß man immer erst hinterher.
Die WM in Nordamerika scheint Deutschland eher kalt zu lassen: Weniger als ein Drittel fiebert mit, und der Spontankauf von Fanartikeln bleibt die Ausnahme. Fußballfans sind zwar erwartungsgemäß motivierter, aber insgesamt ist das Interesse niedrig – der Vergleich zu früheren Turnieren zeigt einen deutlichen Dämpfer. In aktuellen Recherchen spiegelt sich das Stimmungsbild: Politische Debatten um Austragungsorte, vor allem die Kritik am FIFA-Management und Fragen zur Nachhaltigkeit, spielen ebenso eine Rolle wie die gewissen Müdigkeit nach Skandalen rund um den Weltfußballverband und kontroverse Turniere (wie zuletzt in Katar). Bemerkenswert: Laut anderen Umfragen spielen Themen wie Inflation und alltägliche Sorgen auch eine Rolle, warum das "WM-Fieber" einfach nicht aufkommt. In vielen Feuilletons wird diskutiert, ob internationale Turniere noch das Zeug zum gesellschaftlichen Sommermärchen haben – oder ob dieser Zauber endgültig verflogen ist.