Kaum jemand hätte wohl einen derart reibungslosen Ablauf erwartet: Im Chinesischen Pavillon zu Dresden folgten die Aktionäre am gestrigen Tag fast ausnahmslos den Empfehlungen der Unternehmensführung. Kern war die Sachkapitalerhöhung, mit der die Einbringung der Deutsche E Metalle AG – kurz DEM – vollzogen wird. Das klingt nach trockener Tagesordnung, birgt aber tatsächlich fundamentalen Wandel: Durch die Aufnahme der DEM öffnet sich die Commertunity AG nicht nur strukturell, sondern schlägt auch produktseitig ein ganz neues Kapitel auf – mit Lithium, Seltenen Erden und einem ganz eigenen Bohrunternehmen im Konzernverbund.
Das Lithiumprojekt Carachi Blanco, das sich auf etwa 70.000 Hektar im argentinischen Lithiumdreieck erstreckt, sticht dabei hervor. Frühere Bohrungen und unabhängige Gutachten haben Lithiumreserven von über einer halben Milliarde Dollar, gemessen am internationalen NI 43-101-Standard, bestätigt. Flankiert wird das von neuen Aufsichtsratsmitgliedern mit Erfahrung von Automobil bis Innovation und einem Vorstand, der aus der digitalen und geologischen Welt kommt.
Heiko Thomas, Gründer der DEM, steckte bereits mehr als 22 Millionen Euro ins Unternehmen – Einsatz, der nun im Zusammenschluss größere Wirkung entfalten soll. Das neue Führungsteam betont, dass es um mehr als Zahlen oder Technik geht: 'Kritische Rohstoffe sind das Rückgrat jeder modernen Industrie; wer sie nicht hat, bleibt zurück. Europa muss selbst Hand anlegen und sich unabhängiger machen', mahnt CEO Oberhof auf der Versammlung und bekommt fast kollektiv Zustimmung.
Bemerkenswert ist auch das neue Aufsichtsratsgremium: Von der Innovationsstrategin Marina Heimann bis zum ehemaligen Technikchef von Bentley, Ulrich Eichhorn, spiegelt sich hier breites Know-how wider. All das soll helfen, dass der Übergang von Commertunity AG zur nun firmierenden Deutsche E Metalle Holding AG mehr ist als eine Umbenennung – es geht um substanzielle Marktmacht. Zumal der Lithiummarkt nach langer Flaute auf Defizit zusteuert und Argentinien, eng gekoppelt an Europas Lieferketten, massiv an Bedeutung gewinnt.
Mit Abschluss und Handelsregistereintrag steht der künftigen Expansion – sprich Kapitalaufnahme und Entwicklung der argentinisch-brasilianischen Rohstofflagerstätten – jedenfalls kaum noch etwas im Weg. Perspektivisch eine Wette auf geopolitische Unabhängigkeit und Investitionen in das Stromspeicherzeitalter. Ein Risiko gibt es, wie immer, aber die großen Weichen für diese neue europäische Rohstoffholding sind erstmals auf grün gestellt.
Der gestrige Beschluss bei der Hauptversammlung der Commertunity AG belegt eindrucksvoll, wie Kapitalmarkt und Rohstoffstrategien derzeit verschmelzen. Während Europa nach eigenen Wegen sucht, seine Lithiumversorgung zu sichern und unabhängiger von chinesischen Importen zu werden, setzt die fusionierte Gesellschaft auf argentinische Ressourcen und brasilianische Seltene Erden. Unter dem neuen Namen Deutsche E Metalle Holding AG steht nun die Expansion auf internationalem Markt ebenso bevor wie womöglich neue Finanzierungsrunden über die Börse. Erstaunlich – zwischen Digitalisierung, geopolitischem Poker und klassischem Bergbau entsteht hier womöglich ein echtes europäisches Rohstoff-Schwergewicht.
Aktuelle Medienberichte greifen das Thema Lithiumversorgung und europäische Rohstoffstrategien intensiv auf: Während die Tagesschau am 12. Juni 2024 über eine neue EU-Initiative berichtet, die strategische Rohstoffpartnerschaften ausbauen will, verweist die FAZ (13. Juni 2024) auf den wachsenden Druck der Autoindustrie hinsichtlich verlässlicher Lieferketten und bedrohten Investitionen in Batterieproduktion. Die Süddeutsche Zeitung (12. Juni 2024) weist zudem darauf hin, dass neue Projekte in Südamerika zwar Hoffnung bringen, aber enorme ökologische und politische Unsicherheiten bergen. Laut FAZ kämpft Europa derzeit gegen die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten; gleichzeitig locken steigende Lithiumpreise wieder verstärkte Explorations- und Investitionstätigkeit an (Quelle: FAZ). Ob die neuen Firmenallianzen in Dresden langfristig wirklich die Erwartung erfüllen, bleibt freilich – wie so oft – ein Risiko, aber gerade daran bemisst sich nun ihr Erfolg.