Vortragsabend in Potsdam: Dr. Galeotti über Russlands Politikstile und den Krieg gegen die Ukraine

Am 23. Juni spricht der ausgewiesene Russlandkenner Dr. Mark Galeotti im ZMSBw Potsdam zu einer brisanten Frage: Welchen Einfluss haben Autokratie und Technokratie auf Russlands Verhältnis zur Ukraine? Im Anschluss diskutiert Prof. Dr. Gwendolyn Sasse die Thesen – Publikumseinbindung garantiert.

heute 09:43 Uhr | 4 mal gelesen

Zwischen Historie und Gegenwart

Am Abend des 23. Juni lädt das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam zu einem Vortrag des britischen Russland-Experten Dr. Mark Galeotti. Unter dem Titel „Autocracy vs. Technocracy: explaining the Ukraine war through Russian politics and history“ wirft er einen tieferen Blick auf das Zusammenspiel politischer Führungsstile und Sicherheitsstrategien in Russland – von Zarenzeiten bis zur Ära Putin. Galeotti ist bekannt für seine vielschichtigen Analysen der russischen Machtapparate und hat diese Thematik bereits in wissenschaftlichen Schriften und seinem populären Podcast 'In Moscow’s Shadows' auseinandergenommen. Anschließend wird Prof. Dr. Gwendolyn Sasse, die das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien leitet, zentrale Punkte aufgreifen und politikwissenschaftlich einordnen. Offen ist der dritte Teil des Abends: Diskussion, Nachfragen, vielleicht auch Widerspruch aus dem Publikum sind ausdrücklich erwünscht. Weitere Informationen zum Ablauf gibt es auf der Webseite des ZMSBw.

Die Veranstaltung thematisiert die Spannungsverhältnisse zwischen autoritärem Regierungsstil und technokratischen Ansätzen in Russland und deren Einfluss auf außenpolitische Entscheidungen, insbesondere hinsichtlich des Ukraine-Krieges. Mark Galeotti findet dabei immer wieder spannende Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart, etwa wenn er historische Kontinuitäten im Umgang mit der Armee und den Geheimdiensten herausarbeitet – ein Blick, dem Prof. Sasse dann eine politikwissenschaftliche Perspektive entgegenhält. Aktuell zeigen zahlreiche Analysen der internationalen Presse und Russland-Experten, dass Putins Herrschaftsmodell eindeutig auf Kontrollmechanismen und das Ausschalten von Elitenkonkurrenz setzt und weniger auf sachliche Expertise – ein Umstand, der kritische Fehler im Ukraine-Krieg nicht verhindert hat. Nach wie vor wird in Europa diskutiert, welche Rolle die Militarisierung und das Politikverständnis Russlands für den Fortgang des Krieges spielen; ein Thema, das nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Politik und Öffentlichkeit beschäftigt. Zudem werden internationale Entwicklungen wie die anhaltenden westlichen Wirtschaftssanktionen und die Debatte über die künftigen Beziehungen zu Russland kritisch beleuchtet – immer öfter geht es in den Medien dabei auch um die Frage, wie lange sich interne Strukturen gegen Krisen behaupten können. Galeotti und Sasse liefern mit ihrer Diskussion damit einen Beitrag, der hochaktuell die geistigen Hintergründe gegenwärtiger Konflikte in Osteuropa ausleuchtet.

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