Weniger Bürokratie für Baumschulen? BdB lobt Minister Rainers Einsatz im EU-Agrarrat

In Berlin meldet sich der Bund deutscher Baumschulen (BdB) lautstark zu Wort: Besonders die aktuelle Flut an Dokumentationspflichten für Pflanzenschutz sorgt für Unmut. Der BdB sieht sich durch die Initiative von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer im EU-Agrarrat endlich gehört – und fordert entschlossen mehr Entlastung für Baumschulen.

heute 13:54 Uhr | 3 mal gelesen

"Wir brauchen praktikable Lösungen, keine Formular-Berge mit zweifelhaftem Nutzen", sagt Markus Guhl, der Hauptgeschäftsführer des BdB, fast schon mit Nachdruck. Im Grunde läuft es darauf hinaus: Das endlose Protokollieren und das Jonglieren mit immer spezifischeren botanischen Codes – für viele kleine und mittlere Betriebe kaum zu stemmen. Vor allem bei den geforderten Differenzierungen für Zierpflanzen und Baumschulgewächsen stöhnt so manche Baumschule mittlerweile auf. "Mit pauschalen EPPO-Codes wäre uns schon geholfen," so der Tenor – warum muss man immer noch einen draufsetzen? Die Pflicht zur Anwendung des BBCH-Indexes bei der Schädlingsbekämpfung – ein weiteres Streitthema, das insbesondere für die bunte Vielfalt der Baumschul-Kulturen wenig praxistauglich erscheint. Guhl kritisiert insbesondere die zögerliche Haltung aus Brüssel, konkret die Antworten von EU-Agrarkommissar Christophe Hansen: Es bleibt meist bei Prüfaufträgen, aber Entscheidungen? Fehlanzeige. Man will ja nicht nur reden, sondern endlich Ergebnisse sehen. Der BdB gibt sich kämpferisch: Gemeinsam mit dem europäischen Verband ENA wollen sie nun die EU-Kommission stärker unter Druck setzen. Es geht ums Überleben der vielfach unterschätzten Baumschulbetriebe, eigentlich um sehr viel mehr als nur Dokumentation.

Die Diskussion um die Vereinfachung der Dokumentationspflichten für Baumschulen in puncto Pflanzenschutz nimmt weiter an Fahrt auf. Der BdB stellt klar, dass viele Unternehmen unter der aktuellen EU-Regelung (Verordnung 2023/564) unnötig belastet werden, insbesondere, weil viele Vorgaben kaum Verbesserungen im Alltagsbetrieb bringen, sondern eher zusätzliche Arbeit verursachen. Aktuelle Entwicklungen und Recherchen zeigen, dass landwirtschaftliche Verbände und auch andere Branchenvertreter immer lauter fordern, administrative Hürden generell abzubauen – sowohl in der konventionellen als auch der ökologischen Landwirtschaft. Die Sorge ist groß, dass Deutschland und Europa als Standorte an Wettbewerbsfähigkeit verlieren und der Fachkräftemangel durch zu viel Administration weiter verschärft wird. Parallel laufen auf EU-Ebene mehrere Diskussionen zu den Themen Bürokratieabbau und digitaler Dokumentationslösungen, etwa durch den Einsatz von Agrarsoftware oder automatisierten Systemen. Bis zuletzt blieb die EU-Kommission aber bei einer abwartenden Haltung und analysiert zunächst die Auswirkungen neuer Vorgaben, statt schnell einzugreifen. Im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung wird zudem immer wieder debattiert, ob mehr Kontrolle tatsächlich mehr Umweltschutz bringt oder ob Bürokratie und Naturschutz besser voneinander getrennt betrachtet werden sollten.

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