Es brodelt in der Grünen-Bundestagsfraktion: Mehrere Abgeordnete bestätigten am Dienstag gegenüber Medien, dass eine teils heftige Debatte über das sogenannte 'Männermanifest' die Fraktionssitzung in Berlin dominierte. Das besagte Manifest, über das zuerst am Wochenende berichtet wurde, legt den Finger in eine offene Wunde: Es behauptet, der Feminismus habe auch Schattenseiten, und plädiert für eine neue, positive Ausgestaltung männlicher Identität. Zu den Unterzeichner:innen zählen nicht nur Parteigrößen wie die amtierende Vorsitzende Franziska Brantner vom realpolitischen Flügel, sondern auch Ex-Parteichefin Ricarda Lang aus dem linken Spektrum. Und jetzt wird es interessant: Während Brantner und Lang notgedrungen gemeinsame Sache machen, kam Gegenwind von höchster Stelle – Fraktionschefin Britta Haßelmann schickte durch die Blume eine Mahnung nach draußen. Für sie liegt die eigentliche Aufgabe des Feminismus ja darin, zusammen mit Männern für Gleichberechtigung zu streiten und vielfältige Geschlechterrollen anzuerkennen, nicht aber Männerbilder gegeneinander auszuspielen.
Wie so oft bei den Grünen: Es blieben nicht nur freundliche Worte. Besonders kritisch äußerten sich die Abgeordneten Lena Gumnior, Ulle Schauws und Kirsten Kappert-Gonther – nach den Berichten mehrerer Teilnehmer kam die Mehrheit zu dem Schluss, dass das Manifest nicht das Männerbild der Fraktion widerspiegeln solle. Hinzu kommt Unmut über die Vorgehensweise: Das Manifest wurde offenbar nicht mit den Fachpolitiker:innen abgestimmt. Sogar Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge zeigte sich überrascht davon, dass die Verantwortlichen ungefragt in ein laufendes Thema hineinregierten. Die Debatte trifft die Fraktion zur Unzeit: Mit Blick auf bevorstehende Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sieht man in Teilen der Fraktion akut wichtigere Themen – von Gesundheitspolitik über Klimakrise bis Wirtschaftssorgen. Einhellig war der Tenor: Die Grünen haben derzeit ganz andere Sorgen.
Im Zentrum der jüngsten Debatte innerhalb der Grünen-Bundestagsfraktion steht ein 'Männermanifest', das offenbar Gräben zwischen unterschiedlichen Parteiflügeln vertieft hat. Während einige der Meinung sind, dass Männer neue, positive Leitbilder benötigen und dafür politische Impulse gesetzt werden müssen, warnten Stimmen wie Britta Haßelmann davor, den traditionellen Feminismus zu verwässern oder als Sündenbock für gesellschaftliche Missstände zu benutzen. Besonders brisant: Das ungekoordinierte Vorgehen der Verfasser stieß auf Frust – und insgesamt scheint das Timing mehr als unglücklich, da die Partei sich eigentlich auf drängendere Zukunftsherausforderungen konzentrieren sollte.
Ergänzende Recherchen zeigen: In den letzten Tagen wird in mehreren Medien zwar über den Druck auf die Grünen vor den Landtagswahlen berichtet, aber nirgendwo wird das Manifest in größerer Tiefe analysiert. Allerdings thematisiert die neu aufgeflammte Genderdebatte breit die Unsicherheit progressiver Parteien im Umgang mit Männlichkeitsbildern, Rollenerwartungen und der Integration gesellschaftlicher Vielfalt in die praktische Politik. Relevante Stimmen schlagen vor, Debatte müsse konstruktiv bleiben und dürfe Polarisierungen nicht verstärken. Vielfalt und Gleichstellung werden weiterhin als zentrale Zukunftsaufgaben definiert, wobei parteiinterne Uneinigkeit das Ringen um politische Leitlinien durchaus belastet.