Zweigapotheken-Neuregelung: ABDA sieht Risiken für Patientenschutz

Die aktuelle Diskussion um die von der Bundesregierung vorgeschlagene Reform bei Zweigapotheken erhitzt die Gemüter: Nach Ansicht der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) drohen deutliche Verschlechterungen – sowohl für die Versorgung der Bevölkerung als auch für den Schutz von Patient:innen. Deshalb fordert die ABDA die sofortige Streichung der entsprechenden Pläne aus dem Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz.

heute 13:05 Uhr | 2 mal gelesen

Im Kern geht es bei dem Streitpunkt darum, dass neue Formen von Zweigapotheken geschaffen werden sollen – allerdings mit deutlich weniger Aufgaben und geringeren Rechten als klassische Apotheken. Thomas Preis, Präsident der ABDA, findet starke Worte: Er spricht davon, dass die geplanten Regelungen die Patientensicherheit untergraben würden. Aus seiner Sicht bieten diese Zweigapotheken weder die notwendigen Laborkontrollen für Ausgangsstoffe noch die individuell angefertigten Rezepturen, und Notdienste könne man dort auch nicht erwarten. Ein weiterer Punkt: Die etablierten Apotheken, die oft kleine Orte überhaupt noch versorgen, hätten weniger zu tun – und könnten deshalb wirtschaftlich unter Druck geraten. 'Gerade auf dem Land brauchen die Menschen verlässliche und voll ausgestattete Apotheken, keine abgespeckten Verkaufsstellen', so Preis. Auch wegen des verbindlichen Fremd- und Mehrbesitzverbots, das bislang darauf basiert, dass ein:e Apotheker:in in eigener Haftung höchstens vier Betriebstätten führen darf, sieht die ABDA Risiken. Die Aufweichung dieses Prinzips durch eine neue Regelung könnte zu mehr rechtlicher Unsicherheit und weniger Verbraucherschutz führen. Die Forderung der ABDA ist daher kompromisslos: Die Politik soll auf abspeckende Mini-Apotheken verzichten und stattdessen für die bestehenden Apotheken endlich eine bessere Honorierung (mindestens 9,50 Euro pro Arzneimittel) durchsetzen. Aktuell gibt es in Deutschland über 16.600 öffentliche Apotheken, aber nur neun Zweigapotheken. Letztere sind Stand heute kaum ein Thema – und werden überhaupt nur dann erlaubt, wenn tatsächlich ein Mangel festgestellt ist. Wer alle Zahlen und Details nachlesen möchte, findet weitere Angaben bei der ABDA.

Die ABDA stemmt sich energisch gegen die Pläne aus dem neuen Apothekengesetz, die Zweigapotheken einen größeren Spielraum geben würden. Nach Einschätzung vieler Apothekerverbände handelt es sich dabei um eine Schwächung der stationären Versorgung sowie einen Schritt in Richtung weniger umfassender Patientensicherheit. Wie aktuelle Berichte in Branchen- und Gesundheitsmedien zeigen, ist die Apothekenstruktur in Deutschland sowieso seit Jahren angespannt: Viele Apotheken auf dem Land müssen wegen Personalmangel oder wirtschaftlicher Gründe schließen, was besonders ältere Menschen hart trifft, die oft keine Möglichkeit für weite Fahrten haben. Auch die Süddeutsche Zeitung betont, dass Apotheken seit Jahren unter steigenden Kosten, Lieferengpässen, Personalnot und einem enormen bürokratischen Aufwand leiden. Laut Deutscher Welle wird gerade in ländlichen Gebieten die medizinische Grundversorgung zunehmend als unsicher wahrgenommen, da sich Apotheker vermehrt aus dem Geschäftsleben zurückziehen. Der Vorstoß, Zweigapotheken zu erleichtern, sei zwar als Lösung für die Versorgung gedacht, doch Experten warnen, dass dies zu einer Zweiklassenapothekenlandschaft führen könnte, bei der Service, Individualberatung und Sicherheit leiden. Die Debatte ist also mehr als ein Detailstreit – sie stellt die Frage nach der Zukunft der öffentlichen Gesundheitsversorgung, besonders abseits der großen Städte.

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