Frankreich macht Druck auf EU: Strengere Regeln für Social-Media-Riesen gefordert

Frankreich mahnt mehr Kraft und Einheit in der EU an, wenn es um Social-Media-Verbote für Jugendliche geht – und zielt damit direkt auf mächtige Plattformen wie TikTok und Instagram.

heute 10:07 Uhr | 2 mal gelesen

Europa sollte nach Ansicht von Clara Chappaz, Digitalkommissarin des französischen Präsidenten Macron, mit deutlich mehr Selbstbewusstsein gegen Social-Media-Konzerne auftreten. Ihr Tonfall im Gespräch mit dem 'Spiegel' ist beinahe kämpferisch: Erst durch gemeinsames Agieren, so Chappaz, entstehe ein echter Hebel gegenüber den Tech-Giganten, deren wirtschaftliches Interesse fest mit Europa verknüpft sei – immerhin liegt ein beträchtlicher Anteil ihres Umsatzes auf unserem Kontinent. Die Unternehmen, erklärt sie, könnten sich keine Rückzüge leisten und müssten sich deshalb am Ende europäischen Gesetzen anpassen. Lobende Worte findet sie überraschend auch für Kanzler Friedrich Merz (CDU), der inzwischen klar ein Verbot unterstützt – eine Wende verglichen mit der früher eher zurückhaltenden deutschen Haltung. Frankreich sieht sich als Motor für europaweite Altersbeschränkungen bei Social Media, steht damit aber nicht bei allen Partnerländern auf offene Ohren. Unsicherheiten gibt es weiterhin: Während in manchen Staaten digitale „Volljährigkeit“ schon mit 14 Jahren erreicht werde, führen andere – wie Frankreich – härtere Limits ins Feld. Die Altersgrenze von 16 Jahren, die in Australien bereits angewandt wird, habe laut Chappaz jedoch Lücken, denn sie lasse sich technisch oft umgehen. Trotzdem sei eine klar geregelte Altersbeschränkung, so ihr Argument, für Eltern – gerade aus sozial benachteiligten Familien – eine wertvolle Unterstützung. 'Die Tech-Konzerne beuten geradezu die Schwächen der Kinder aus und leben von deren Online-Sucht', betont sie wütend. Technische Zweifel begegnet sie mit dem Verweis auf Frankreichs Alterskontrolle bei Pornoseiten – seit 2025 Pflicht. Dort sei die Zahl der Minderjährigen unter den Nutzern um rund die Hälfte gefallen, was Mut machen könnte. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, verschwindet kurzerhand vom französischen Markt. So simpel, so kompromisslos – zumindest im Idealfall.

Die Debatte um Social-Media-Verbote für Jugendliche gewinnt in Europa gerade deutlich an Fahrt: Frankreich fordert mit wachsendem Nachdruck eine gemeinsame Linie in der EU und verweist auf den großen Einfluss, den das Bündnis auf internationale Tech-Unternehmen hat. Allerdings zeigt ein Blick auf aktuelle Entwicklungen, dass die Mitgliedstaaten weiterhin uneinig sind, sowohl was das Mindestalter als auch die Durchsetzbarkeit solcher Verbote betrifft. Laut neuesten Meldungen nehmen auch in anderen Ländern wie Deutschland und Italien die Diskussionen zu, insbesondere da neue Studien ein weiteres Ansteigen des Social-Media-Konsums bei Jugendlichen belegen und Eltern wie Politik größere Risiken und Folgen fürchten. Zudem gibt es technische und datenschutzrechtliche Hürden: Die zur Alterskontrolle angedachten digitalen Systeme stoßen vielfach auf Kritik, wie mehrere Medien (z.B. FAZ, Zeit und taz) berichten. Parallel entstehen Initiativen, die eher auf Medienkompetenz als auf harte Verbote setzen, da ein Effekt erzielt werden soll, ohne die Teilhabe junger Menschen am digitalen Leben ganz zu kappen. Interessant bleibt, wie Unternehmen selbst auf die Gesetze reagieren – hier zeigen sich zunehmend Anpassungen bei den Plattformen, etwa Einführung verschärfter Jugendschutzeinstellungen oder neue Elternkontrollen.

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