Sophie von der Tann, seit Sommer 2021 die Stimme und das Gesicht der ARD in Israel und den palästinensischen Gebieten, gibt nun das Staffelholz weiter. Ihre ausführliche und häufig unter schwierigen Bedingungen entstandene Berichterstattung – etwa während des Hamas-Angriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 und den folgenden Militäraktionen in Gaza – brachte ihr viel Anerkennung: Im Laufe der letzten Jahre erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2024 den Blauen Panther und den Deutschen Fernsehpreis, 2025 dann sogar den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Von der Tann beeindruckte aber nicht nur im klassischen Fernsehen, sondern schaffte es, über soziale Kanäle wie Instagram ein jüngeres Publikum zu erreichen – inzwischen zählt ihr Account über 200.000 Follower.
In einem dankbaren Rückblick hebt von der Tann die Bedeutung des Teams in Tel Aviv hervor, insbesondere auch den lokalen Crewmitgliedern, deren Einsatz und Wissen unverzichtbar seien, gerade angesichts der immer wieder riskanten Situationen vor Ort. Ihre Zukunft bleibt international: Im Bayerischen Rundfunk sind neue Formate rund um Auslandsthemen mit ihr in Planung, wobei das Social-Media-Publikum im Blick behalten wird.
BR-Chefredakteur Christian Nitsche betont ihren Mut und ihre prägende Rolle: Authentisch und immer an der Front des Geschehens war sie eine feste Größe im ARD-Nahost-Team. Der Wechsel sei mehr als ein Personalwechsel, sondern markiere eine Zeitenwende. Und die Nachfolge scheint gut gewählt: Pia Steckelbach ist ab September offiziell Korrespondentin, bringt mehr als sechs Jahre Israel-Erfahrung sowie Arabisch- und Hebräischkenntnisse mit. Seit Herbst 2023 half sie bereits intensiv beim täglichen Studiobetrieb, begleitete Interviews und produzierte eigene Beiträge – auch aus Krisengebieten wie der Türkei kurz nach dem Erdbeben 2023. Studien in jüdischer Kultur und Middle Eastern Studies runden ihr Profil ab. Steckelbach selbst blickt respektvoll und motiviert auf die kommende Aufgabe – eine Region voller Gegensätze, aber auch voller Geschichten, die es zu erzählen gilt.
Mit dem planmäßigen Wechsel von Sophie von der Tann zu Pia Steckelbach setzt das ARD-Studio Tel Aviv auf Kontinuität gepaart mit frischem Fokus. Von der Tann hat die ARD-Berichterstattung aus dem Nahen Osten durch ihre direkte Art, Social-Media-Präsenz und Auszeichnungen in den letzten Jahren maßgeblich geprägt, geriet dabei oft in politisch und menschlich schwieriges Fahrwasser und erreichte gerade Jüngere. Steckelbach bringt nicht nur Sprach- und Landeskompetenz, sondern auch Auslandserfahrung aus anderen Krisenregionen mit. Jüngste Recherchen belegen, dass die Nahost-Berichterstattung seit dem Hamas-Israel-Krieg von 2023 unter enormem Druck steht; Journalistinnen wie von der Tann und ihre künftigen Nachfolgerinnen werden auf Social Media zunehmend zu „Gesichtern der Auslandserklärung“ und müssen mit Desinformation wie persönlichen Anfeindungen umgehen. Laut einer aktuellen Analyse des Netzwerks für Medienethik wächst die Bedeutung von Nahost-Korrespondenten, da tradierte journalistische Vermittlungswege schwinden und direkte Kanäle (z.B. Instagram, Podcasts) entscheidend werden. Zudem berichten taz und FAZ, dass es in den Redaktionen weiterhin eine Debatte gibt, wie unabhängig, sicher und vielseitig Reporterinnen im Nahen Osten überhaupt noch arbeiten können, was die Auswahl und Weiterentwicklung von Korrespondenten maßgeblich beeinflusst.