Das Spiel schien für Ägypten zunächst unter keinem guten Stern zu stehen: Bereits in der 15. Minute köpfte Neuseelands Finn Surman nach einem Eckball von Tim Payne zur Führung ein. Relativ nüchtern betrachtet, hätte man meinen können, dass Neuseeland seinen Vorsprung konservieren könnte; doch der Fußball hat seine eigenen Gedankengänge. Schritt für Schritt fanden die Ägypter ins Spiel – fast so, als müssten sie erst einmal den Knoten platzen lassen. In der 58. Minute war es dann Mostafa Zico, der eine maßgeschneiderte Flanke von Mohamed Hany entschlossen per Kopf verwandelte. Der Jubel war hörbar selbst von den Rängen, obwohl da sicher auch etwas Erleichterung in der Luft lag.
Aber damit nicht genug: Mohamed Salah, lange als Hoffnungsträger gehandelt (und seien wir ehrlich, vielleicht ein Hauch zu sehr als Ein-Mann-Armee stilisiert), erzielte in der 67. Minute das 2:1 mit einem gut platzierten Schuss. Kurz vor Schluss, als jedem Zuschauer die Nägel und Nerven langsam ausgingen, setzte Trezeguet mit einem Flugkopfball nach Salahs Ecke den Schlusspunkt. Zu diesem Zeitpunkt wirkte Neuseeland ziemlich ratlos und überfordert; vorher waren sie noch kompakt, jetzt nur noch müde Schatten ihrer Anfangsleistung.
Was zwischendurch auffiel: Die Präzision im ägyptischen Abschluss fehlte lange, auch die Durchschlagskraft kam erst mit dem Mut, mehr Risiko zu nehmen. Es war kein perfektes Spiel, eher eine Zäsur. Vier Punkte bedeuten nun vorerst Platz eins in Gruppe G. Der Iran und Belgien stehen mit zwei Punkten dahinter, Neuseeland bleibt auf einem.
Ägypten konnte in einem spannenderen Spiel als das Ergebnis suggeriert seinen ersten WM-Sieg überhaupt feiern und sich an die Spitze der Gruppe G setzen. Besonders bemerkenswert ist, dass die Mannschaft trotz eines frühen Rückstands Moral zeigte, was auch für Trainer Hossam Hassan ein wichtiges Signal sein dürfte. In der ägyptischen Presse werden Salahs Tor und Trezeguets Einsatzbereitschaft als Schlüsselmomente gefeiert – in den sozialen Netzwerken überschlagen sich die Reaktionen. Wer den Spielverlauf genauer unter die Lupe nimmt, erkennt: Die Mannschaft hat besonders nach der Pause mit einer klaren Steigerung im Pressing das Momentum auf ihre Seite gezogen. In den internationalen Medien wird das Ergebnis als vielversprechendes Signal für den afrikanischen Fußball gedeutet, der bei dieser WM bislang eher durchwachsen auftrat.