AfD benennt CDU-Kandidaten Hagel als Ministerpräsident für Baden-Württemberg – Überraschung im Landtag

Für die Wahl des neuen Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg bringt die AfD überraschend den CDU-Fraktionschef Manuel Hagel ins Spiel – eine Taktik, die im Landesparlament für Unruhe sorgt.

heute 11:55 Uhr | 4 mal gelesen

Mittwochmorgen im Stuttgarter Landtag: Miguel Klauß von der AfD wirft einen Stein ins Wasser, indem er verkündet, Baden-Württemberg habe sich klar für eine Politik aus der politischen Mitte und dem rechten Spektrum entschieden – und deshalb solle der CDU-Spitzenkandidat Hagel Ministerpräsident werden. Kaum verhallt das Echo, steht Manuel Hagel selbst auf: Er schiebt den Vorschlag resolut beiseite und verweist auf die Vereinbarung mit den Grünen, nach der Cem Özdemir die gemeinsame Wahl zum Ministerpräsidenten ist. Hagel macht ein paar Takte deutlicher, dass für ihn kein Platz für parlamentarische Spielchen ist: 'Es gibt größere Verantwortlichkeiten als persönliche Ambitionen', betont er – ungewöhnlich scharf für den sonst eher ruhig auftretenden CDU-Politiker. Allerdings, und das ist der Haken: Die Landtagsordnung lässt eine Ablehnung des Vorschlags rein technisch nicht zu, was Hagel nur mit einem Achselzucken quittieren kann. Dass die AfD solche Vorstöße geradezu routiniert nutzt, ist kein Geheimnis: In Thüringen und Sachsen gab es schon ähnliche Aktionen. Legendär bleibt der politische Eklat 2020, als der FDP-Mann Kemmerich mit Stimmen der AfD Ministerpräsident wurde und nach einem politischen Beben schnell zurücktreten musste.

Die AfD sorgt in Baden-Württemberg mit dem Vorschlag, nicht den eigenen, sondern CDU-Kandidaten Manuel Hagel zum Ministerpräsidenten zu machen, für Aufregung. Hagel, gebunden an den Koalitionsvertrag mit den Grünen, erteilt dem Vorschlag eine klare Absage und pocht auf politische Verantwortung – auch unter Verweis auf die brisante Vorgeschichte vergleichbarer Vorfälle, etwa in Thüringen 2020. Die Methode, Kandidaten anderer Parteien vorzuschlagen, bleibt für viele eine gezielte Provokation und bringt das Spannungsfeld zwischen politischen Spielregeln und demokratischer Verantwortung einmal mehr ins Rampenlicht. Aktuelle Entwicklungen zur politischen Dynamik in Baden-Württemberg zeigen, dass die AfD offenbar bewusst koalitionsinterne Spannungen provoziert, indem sie Oppositionskandidaten vorschlägt oder einbindet. Laut Recherchen der "Zeit" beobachten Politikanalysten, dass solche Manöver darauf abzielen, Risse in der eigentlich stabilen Regierungskoalition auszuloten oder gar zu vertiefen. In anderen Bundesländern zeigen ähnliche Vorstöße der AfD, wie leicht parlamentarische Abläufe für politische Störaktionen missbraucht werden können, was vielerorts zu Misstrauen und erhitzten Debatten über die verfassungsmäßige Ausgestaltung solcher Wahlprozesse führt.

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