Alois Zwinggi sagt es ganz unverblümt: Wer in Europa scheitert, wird nur mit Mühe wieder akzeptiert – anders als drüben in den Staaten. Dieses Misstrauen gegenüber Rückschlägen lähme die Innovationsfreude, so Zwinggi im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Der Blick auf Leute wie Elon Musk sei da bezeichnend: Mal gestolpert, mal wieder aufgestanden – und am Ende doch wieder Geldgeber gefunden. Eine Mentalität, von der Europa seiner Meinung nach lernen sollte. Andererseits, und das will er ausdrücklich festhalten, gibt’s auf der europäischen Seite viel Substanz: Wissen, kluge Köpfe, eine starke Industrie. Warum, fragt man sich, schöpfen wir daraus nicht mehr?
Interessant (und etwas abseits vom Kernthema der Fehlerkultur): Zwinggi sprach auch die Risiken der aktuellen Iran-Krise an. Energiepreise sind derzeit in aller Munde, doch er mahnt: Die Folgen für Düngemittel – und damit für die Lebensmittelsicherheit – werden unterschätzt. Eigentlich erstaunlich, dass das so wenig diskutiert wird.
Diese Woche trat Zwinggi zum ersten Mal offiziell als Nachfolger von Börge Brende vor, der im Lichte der Epstein-Affäre das Amt geräumt hatte. Ein holpriger Start – aber wer weiß, vielleicht kommt da genau die Fehlerkultur ins Spiel, die Zwinggi sich wünscht.
Alois Zwinggi betont, dass Europas Innovationsbereitschaft durch eine zu starke Angst vor Fehlern gebremst wird. Er fordert einen mentalen Wandel im Umgang mit Misserfolgen und sieht die USA, wo Scheitern weniger stigmatisiert wird, als Vorbild. Allerdings hebt er hervor, dass Europa mit seiner Fachkompetenz und Wirtschaftsstärke grundsätzlich über großes Potenzial für Innovation verfügt. Neuere Stimmen aus verschiedenen Medien unterstreichen, dass die aktuelle politische Unsicherheit – vom Irankonflikt bis zu den Energiepreisen – nicht nur Märkte, sondern zunehmend auch die Gesellschaften belastet. Besonders die Versorgung mit Düngemitteln gerät in den Fokus, da der Nahe Osten zentrale Rollen im Handel spielt. Das Thema Fehlerkultur wird dabei als Schlüssel für Europas Fähigkeit gesehen, sich auf diese neuen Realitäten flexibel einzustellen.