Laut "Rheinischer Post" beobachten die Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) einen wachsenden Trend: Immer häufiger schlägt Antisemitismus im Netz Wurzeln. Benjamin Steinitz, Geschäftsführer des Bundesverbands, beklagt, dass Jüdinnen und Juden sich teils aus Angst vor Anfeindungen aus Online-Diskussionen zurückziehen, weil sie zu wenig Schutz auf Plattformen erleben. Die Regeln – so gibt Steinitz zu bedenken – existieren wohl, aber ihre Anwendung sei oft halbherzig. Das Moderationspersonal ist offensichtlich überfordert oder mangelhaft ausgebildet, und Schutzmaßnahmen greifen zu langsam oder gar nicht. Steinitz nimmt deshalb die Regierung in die Pflicht: Sie soll sich auf EU-Ebene engagierter hinter eine strikte Anwendung des Digital Services Act klemmen. Gleichzeitig schlägt er vor, gesonderte finanzielle Mittel für zivilgesellschaftliche Beobachter bereitzustellen, um antisemitische Inhalte besser aufzuspüren und Plattformen zu sensibilisieren. Statistik gefällig? 2025 waren bereits 27 Prozent aller antisemitischen Vorfälle ins Internet verlagert, 43 Prozent sämtlicher Bedrohungen vollzogen sich online. Besonders perfide: Täter agieren oft mit getarnten Nachrichten – sei es in Form von Emojis oder Symbolen mit versteckter Bedeutung. Erfasst werden nur die Fälle, bei denen reale Personen oder Gruppen direkt digital attackiert wurden – etwa per Nachrichten, Kommentare oder E-Mails. Der neue RIAS-Jahresbericht wird in Kürze in Berlin vorgestellt. RIAS ist deutschlandweit für die Erfassung und Analyse solcher Vorfälle zuständig und dient NGOs, Behörden sowie Medien gleichermaßen als wichtige Quelle.
Der jährliche Bericht des RIAS-Bundesverbands zeigt: Antisemitische Angriffe finden immer häufiger online statt, wobei der Anteil im Jahr 2025 auf 27 Prozent aller gemeldeten Fälle gestiegen ist. Die Täter verschlüsseln ihre Botschaften zunehmend mit Symbolen, Emojis und Insider-Codes, was die Erkennung erschwert und effektive Moderation durch Plattformen behindert. RIAS fordert daher nicht nur eine bessere Umsetzung vorhandener Regeln auf EU-Ebene durch die Bundesregierung, sondern auch mehr Förderung für Fachleute aus der Zivilgesellschaft, um Vorfälle schnell und sachkundig melden zu können. Zusätzlich haben aktuelle Recherchen ergeben, dass die EU-Kommission verstärkt auf die Einhaltung des Digital Services Act pocht und Online-Plattformen wie X (vormals Twitter) und Telegram erneut an ihre Pflichten erinnert werden, da Berichte über Hassrede und Desinformation zunehmen. Außerdem diskutieren Experten, ob verstärkte Bildungsarbeit – etwa zu digitaler Mündigkeit oder den Mechanismen von Hassgruppen – langfristig das problematische Klima im Netz positiv verändern kann. In sozialen Medien werden Betroffene zunehmend selbst aktiv, gründen eigene Initiativen zum Melden und Dokumentieren von Vorfällen, stoßen dabei aber kontinuierlich auf organisatorische und rechtliche Hürden.