"Gerade bei der Sozialberichterstattung zeichnet sich momentan das Gegenteil von Vereinfachung ab", so Rainer Dulger gegenüber der "Welt". Viele der Daten, die Firmen künftig offenlegen sollen, gäbe es längst in anderen Rechtsnormen – sie werden also doppelt und dreifach abgefragt, meint Dulger. Mit anderen Worten: Die Betriebe könnten in ein bürokratisches Labyrinth geraten, in dem sie immer wieder dasselbe dokumentieren müssen. Das koste laut BDA nicht nur Zeit, sondern vor allem auch Geld und Nerven.
Hintergrund: Die aktuelle EU-Richtlinie verlangt, dass ab 2027 größere Unternehmen (mehr als 1.000 Mitarbeitende, 450 Millionen Euro Umsatz) einen detaillierten Nachhaltigkeitsbericht vorlegen. Darin sollen nicht nur Umweltaspekte, sondern auch Auswirkungen auf Mitarbeitende und das gesellschaftliche Umfeld beleuchtet werden. Über 1.000 einzelne Informationspunkte sind nach ursprünglicher Fassung zu erfassen – eine kaum vorstellbare Detailfülle. Die EU-Kommission verspricht nun, dies zu verschlanken. Laut deren Angabe wurde etwa die Zahl der Pflichtangaben in Bezug auf soziale Themen um deutlich über die Hälfte reduziert, auch die Text-Erläuterungen seien um 60 Prozent gekürzt worden. Dennoch sieht die BDA kaum Erleichterung, da viele Kürzungen offenbar wenig praxiswirksam seien. Unterm Strich rechnet der Verband nur mit zehn bis zwanzig Prozent weniger Arbeitsaufwand – oder in manchen Feldern sogar mit mehr.
Übrigens: Übersehen wird in der öffentlichen Debatte häufig, wie unterschiedlich die betroffenen Unternehmen aufgestellt sind. Während einige Großkonzerne längst Erfahrung mit komplexen Berichtspflichten haben, könnten viele Mittelständler von den neuen Anforderungen ordentlich durchgeschüttelt werden.
Die BDA hält die vereinfachte Ausgestaltung der EU-Nachhaltigkeitsberichtspflichten für nicht ausreichend und warnt vor einem erhöhten Aufwand gerade bei sozialen Themen. Die Kritik entzündet sich daran, dass viele doppelte und überflüssige Berichtspflichten bestehen bleiben könnten, wodurch Unternehmen weiterhin mit hohem bürokratischen Aufwand rechnen müssen. Nach aktueller Recherche diskutieren Medien und Wirtschaftsverbände europaweit die Umsetzung der neuen Standards, wobei besonders verbesserte Datenintegrität und Transparenz im Sinne der EU-Green-Deal-Ziele betont werden. Gleichzeitig zeigen jüngste Berichte, dass die EU-Kommission weiter an pragmatischen Anpassungen arbeitet und teils mit Industrievertretern im Austausch steht, um die Berichte praktikabler zu gestalten. Unabhängig davon werden die Unternehmen, insbesondere aus dem Mittelstand, darin gestärkt, effiziente und digitale Lösungen zu finden, um die Berichtspflichten möglichst reibungsfrei zu erfüllen.