Man kann darüber streiten, ob Dobrindts Pläne zu einem schnelleren Eintritt von Asylbewerbern in die Arbeitswelt bahnbrechend sind – führende Ökonomen äußern sich jedenfalls mehrheitlich optimistisch. Für Clemens Fuest, Chef des ifo-Instituts, zeigt sich im Gespräch mit dem 'Handelsblatt' der Ansatz schlicht als sinnvoll: Deutschland brauche dringend mehr Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt anpacken, und weniger Barrieren erleichtern eben jenen Einstieg enorm. Marcel Fratzscher vom DIW spricht sogar von einer 'überfälligen' Maßnahme, vor allem, weil viele kleine und mittelständische Betriebe schon jetzt händeringend Personal suchen. Sein Einwand: Schneller Zugang zur Arbeit ist nicht alles – Perspektive, Qualifizierung, Ausbildung müssten parallel gedacht werden, sonst bliebe der Effekt begrenzt.
Doch es gibt auch ernsthafte Bedenken: Winfried Kluth, der dem Sachverständigenrat für Integration und Migration vorsitzt, hält die Entlastung der Sozialkassen zwar für nachvollziehbar, vermutet aber wenig echten Effekt auf den tatsächlichen Arbeitsmarkt. Arbeitgeber stünden schließlich weiterhin frei in ihrer Entscheidung, wen sie einstellen. Was ihn besonders ärgert: Parallel dazu werden die Budgets für Integrationskurse zusammengestrichen – das könnte sogar das Gegenteil bewirken und am Ende noch teurer werden.
In den letzten 48 Stunden wurden in diversen Medien erneut die Debatte um Arbeitsmarktzugang und Integration für Asylbewerber aufgegriffen, ausgelöst durch den Arbeitsplan von Alexander Dobrindt. Ökonomen wie Clemens Fuest und Marcel Fratzscher unterstützen grundsätzlich die Richtung und betonen den akuten Mangel an Arbeitskräften vor allem im Mittelstand. Allerdings machen sie auch darauf aufmerksam, dass der Weg in nachhaltige Beschäftigung nur mit ausreichender Sprachförderung, Qualifizierung und sicheren Zukunftsperspektiven funktioniert; Experten warnen zudem vor den Risiken geplanter Kürzungen bei Integrationsangeboten, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden und letztlich höhere soziale Kosten verursachen könnten.