ARD und ZDF schmieden neue Bündnisse: Drei gemeinsame Sender eingestellt, Portfolio künftig digitaler

Mainz – ARD und ZDF rücken noch enger zusammen: Im Rahmen der Umsetzung des neuen Reformstaatsvertrags bündeln die beiden Sender ihre Kräfte, mit einem Schwerpunkt auf jüngere Zielgruppen und digitale Angebote. Drei Kanäle werden eingestellt, die Zusammenarbeit dafür umso gezielter ausgebaut.

heute 14:35 Uhr | 3 mal gelesen

ZDF-Intendant Dr. Norbert Himmler meint dazu: „Da fließen quasi die Stärken unserer beiden Häuser zusammen – auch wenn das natürlich alles andere als ein Kinderspiel war. Dennoch: Wir haben voller Elan und Weitblick daran gearbeitet, stets mit Blick auf die Menschen, die wir erreichen wollen. Erst, wenn wir unser gemeinsames Angebot so gestalten, dass es das Beste aus beiden Welten abbildet, machen diese Bündnisse Sinn.“

ARD-Vorsitzender und hr-Intendant Florian Hager ergänzt: „Unsere bislang geteilten Projekte beweisen, dass wir vereint schlagkräftiger auftreten können. Gerade digitale Marken wie funk oder KiKA zeigen, wohin es gehen kann, wenn wir gemeinsam jüngere Zielgruppen ansprechen. Das stärkt auf Dauer die Relevanz des öffentlich-rechtlichen Angebots.“

Beide Anstalten setzen damit endgültig auf digitale Wege – in der Überzeugung, dass hier die Zukunft der Mediennutzung liegt. Ziel ist, neue starke Angebotsmarken im digitalen Raum zu etablieren. Bis dahin werden auch die linearen Kanäle als Brücke zur Verbreitung und Sichtbarkeit genutzt.

Drei besonders publikumsstarke Kanäle – gesetzt für Information, Bildung, Doku und das junge Publikum – bilden das neue Fundament der Kooperation. Die Markennamen bleiben zentral erhalten, nun aber mit klar zugewiesenen Federführungen zwischen den beiden Senderfamilien.

Das zeigt sich längst bei bestehenden Gemeinschaftsangeboten wie arte, 3sat, funk, KiKA oder auch gemeinsamen Sportprojekten: Hier gelingt es, passgenaue Zielgruppen zu bedienen, ohne Einbußen bei der inhaltlichen Vielfalt. Dasselbe Prinzip tragen ARD und ZDF jetzt in die Zukunft – mit verbindlicheren Schwerpunkten.

Aufgestellt ist das gemeinsame Portfolio ab Januar 2027 mit diesen Kernangeboten: arte (deutsch-französischer Kulturkanal), 3sat (Hauptverantwortung: ZDF), KiKA (ARD/MDR), funk (ARD/SWR), info – der neue Doku-Kanal (ZDF), neo (ARD & ZDF, federführend ZDF) und phoenix (ARD/WDR). Drei Programme verschwinden dabei zugunsten dieser klareren Linie vom Markt.

In den nächsten Monaten legen gemeinsam besetzte Arbeitsgruppen von ARD und ZDF die Details fest – von der Programmplanung bis hin zu Prozessdesigns und dem Probebetrieb, damit am 1. Januar 2027 alles rund läuft.

Die Reform zielt darauf ab, die öffentlich-rechtlichen Sender zukunftssicherer und effizienter zu machen, indem sie ihre Kräfte bündeln und Angebote auf die veränderten Sehgewohnheiten insbesondere junger Menschen abstimmen. Die Entscheidung radikal stärker auf digitale Formate und gemeinsame Mediatheken zu setzen, fällt in eine Zeit, in der die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zunehmend kritisch diskutiert wird – nicht zuletzt angesichts der Beitragsdebatten und des Konkurrenzdrucks durch internationale Streamingdienste. Auch analoge Kanäle bleiben zunächst erhalten, vor allem um Übergänge für verschiedenste Zuschauer zu gewährleisten, aber die Stoßrichtung ist klar digital: Nur gemeinsam sehen ARD und ZDF die Chance, das Medienverhalten von morgen nachhaltig mitzugestalten. Weitere Recherchen zeigen: Die Neuausrichtung ist eine Reaktion auf Sparzwänge, veränderte Mediengewohnheiten und wachsenden gesellschaftlichen Druck, den Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen mit weniger Doppelstrukturen zu erfüllen und transparenter zu arbeiten. Die letzten Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Kooperation zugleich eine Antwort auf die Diversifizierung der Medienlandschaft ist – beispielsweise mit Blick auf Social-Media-Angebote oder personalisierte Mediatheken. Rückmeldungen aus dem Mediensektor reichen dabei von vorsichtiger Neugier über Skepsis bis hin zu der Hoffnung, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit solchen Neuordnungen tatsächlich seinen Wert für die Gesellschaft bewahren kann.

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