Aurelia Stiftung drängt auf Neubewertung: EU-Kommission riskiert Klage wegen Glyphosat-Zulassung

Berlin/Brüssel – Nach einem klaren Urteil des EU-Gerichts, das die bisherige Verlängerungspraxis für Glyphosat als gesetzwidrig einstufte, wartet die Öffentlichkeit weiter auf eine Reaktion der EU-Kommission. Die Aurelia Stiftung fordert energisch eine Neubewertung und droht – sollte die EU weiter untätig bleiben – mit rechtlichen Schritten.

heute 08:25 Uhr | 5 mal gelesen

Die Aurelia Stiftung hat heute in einem offiziellen Schreiben die EU-Kommission dazu aufgefordert, zeitnah eine rechtmäßige Entscheidung zur Verlängerung der Glyphosat-Genehmigung zu fällen. Hintergrund ist das Urteil des EU-Gerichts (Az. T-565/23 vom 19. November 2025), das die gängige Praxis, Glyphosat-Genehmigungen automatisch zu verlängern, als nicht mit EU-Gesetz vereinbar erklärte. Laut Gericht dürfen solche Verlängerungen keinesfalls zur Routine verkommen, sondern müssten an strenge Prüfungen gebunden werden. Speziell dürfe eine Verlängerung nicht erfolgen, wenn die Verzögerung bei der Risikoprüfung auf das Konto der Hersteller – wie im Falle Bayer-Monsanto – gehe. Weil die Kommission aber bislang nicht reagierte, gab die Stiftung in ihrem Mahnschreiben eine Frist von zwei Monaten. Danach soll eine Klage folgen, um Bewegung in die Sache zu bringen. Die Aurelia Stiftung sieht im Ausbleiben einer Einzelfallprüfung einen Präzedenzfall für viele andere Pestizide, für die die Risikoprüfung überfällig ist. Vorstand Thomas Radetzki kritisierte die zögerliche Haltung: Die Kommission müsse jetzt endlich für den verlässlichen Schutz von Umwelt und Artenvielfalt sorgen. Rechtsanwalt Dr. Achim Willand stellt klar: Über Jahre hinweg wurden per Ausnahmegenehmigung Verlängerungen zur Regel gemacht, allein 2023 bei mehr als hundert Pestiziden – völlig entgegen dem eigentlichen Sinn der Vorschriften. Nun müsse man diesen Zustand schleunigst beenden und alle Fälle neu überprüfen. Weiterführende Hintergründe sowie Kontakte sind auf der Website der Aurelia Stiftung einsehbar (https://ots.de/l7eNfi).

Das Urteil des EU-Gerichts gegen die automatische Verlängerung von Glyphosat-Genehmigungen setzt die EU-Kommission unter erheblichen Handlungsdruck. Trotz der eindeutigen Rechtslage zögert die Kommission mit einer Neuentscheidung, was nicht nur die Umweltverbände, sondern auch zahlreiche Landwirt:innen und kritische Wissenschaftler:innen alarmiert: Sie befürchten, dass die bisherige Praxis das Vertrauen in den europäischen Gesundheitsschutz weiter beschädigt. Besonders der Aspekt, dass Chemieunternehmen wie Bayer-Monsanto durch verspätete oder mangelhafte Datenübermittlung selbst die Verzögerungen verursachen, die dann zur (rechtswidrigen) Verlängerung führen, steht im Zentrum der aktuellen Debatte – nicht zuletzt mit Blick auf ähnliche Verfahren bei weiteren Pestiziden im EU-Raum.

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