„Das andere Szenario wäre ein komplettes Desaster gewesen“, gab Müller gegenüber dem Handelsblatt zu bedenken. Banken und Anteilseigner haben dem Vernehmen nach einer Art Notpaket zugestimmt, das eine echte Kapitalspritze der Mehrheitsgenossenschaft sowie – im Ernstfall – einen teilweisen Forderungsverzicht beinhaltet. Nun schauen alle gespannt auf die Position der weiteren Gläubiger, ohne deren Zustimmen das Paket nicht steht.
Was bislang an Verlusten im deutschen und österreichischen Genossenschaftssektor auflief, schätzt Müller auf unter einer Milliarde Euro. Davon stammen rund 550 Millionen Euro bereits aus zusätzlichen Einlagen und diversen Unterstützungsaktionen der Haupt-Eigentümer. Sollte BayWa irgendwann insolvent gehen und Aktien komplett wertlos werden – was derzeit niemand endgültig sagen will – könnte dieser Gesamtschaden noch steigen.
Wenig Verständnis hat Müller mit der Führungslosigkeit der letzten Monate. BayWa brauche dringend jemanden an der Spitze, der sich auf die Stärken der Firma besinnt: Landwirtschaft, Landmaschinen, Baustoffe. Ein bloßer Verwalter der Krise reiche da nicht aus. Ursachen für die aktuelle Schieflage sieht Müller in übertriebener Expansion mit hohen Krediten – speziell im Bereich erneuerbare Energien. Aktuell prüfe man, ob auch die Kontrollgremien dabei versagt hätten.
Im Mittelpunkt steht das neue Sanierungskonzept des BayWa-Konzerns, das nur mit Zustimmung sämtlicher Gläubiger greifen kann. Genossenschaftspräsident Stefan Müller betont die bisher von den Eigentümern bereitgestellten Kapitalspritzen und warnt vor einem möglichen, noch größeren Verlust, sollte das Unternehmen endgültig scheitern. Die Zukunft des Konzerns sieht Müller vor allem im klassischen Kerngeschäft, während die Fehler der Vergangenheit – vor allem die massive Verschuldung durch Expansion im Bereich erneuerbare Energien – kritisch hinterfragt werden.
Ergänzend ergibt die aktuelle Recherche: BayWa kämpft derzeit weiterhin mit einer angespannten finanziellen Situation, insbesondere durch Probleme in der Solarsparte sowie sinkende Umsätze im Agrarsegment – diverse Medien analysieren, dass auch gestiegene Zinsen und unsichere Agrarmärkte die Sanierung erschweren. Die Suche nach einer neuen Führungspersönlichkeit gestaltet sich schwieriger als erwartet, was das Vertrauen der Investoren weiter belastet. Parallel dazu wird öffentlich thematisiert, ob der Genossenschaftssektor generell besser gegen Fehlentwicklungen gewappnet sein sollte.