Metin Hakverdi, Deutschlands Koordinator für transatlantische Beziehungen, gibt sich wenig beirrt von den jüngst etwas frostigen Tönen zwischen Berlin und Washington: Die Idee, dass Trump sich dem Verkauf von Tomahawk-Marschflugkörpern widersetzt, hält er offenbar für kaum realistisch. "Wenn der Kaufpreis stimmt, ist Trump sofort dabei", soll er in Interviews angemerkt haben – ein Satz, der recht ungeschminkt die amerikanische Pragmatik illustriert. Aus Washington erreicht Hakverdi zufolge ein mehrstimmiges Echo: Mal heißt es, Trumps zögerlicher Umgang mit dem Thema sei bloße Taktik, mal eine Laune (um es freundlich auszudrücken), und ein andermal wird auf die angeblich erschöpften US-Lager verwiesen.
Was bei all dem auffällt: Die Amerikaner scheinen durchaus anzuerkennen, dass Deutschland ernsthafte Verteidigungsanstrengungen unternimmt, zum Beispiel indem es ein Minenjagdboot ins Mittelmeer entsendet – ein eher untypischer Ort, der jedoch strategisch begann, seitdem im Iran offene Kriegsgefahr herrscht. Diese Maßnahmen beobachtet die US-Regierung hörbar aufmerksam. Ob die kleinen diplomatischen Verstimmungen also in der Sache wirklich ins Gewicht fallen, bleibt fraglich. Im Juli steht ohnehin der nächste Lackmustest für das transatlantische Verhältnis an: der Nato-Gipfel in Ankara. Wird spannend.
Hauptpunkt bleibt, dass trotz persönlicher Dissonanzen zwischen Merz und Trump Deutschland als verlässlicher Sicherheitspartner der USA wahrgenommen wird. Unterm Strich: Geopolitische Geschäfte wie der Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern sind oft pragmatischer, als es außenpolitische Schlagabtäusche vermuten lassen. Übrigens: Die Debatte um Rüstungslieferungen und westliche Wehrhaftigkeit bewegt gerade viele westliche Demokratien, vor allem mit Blick auf die anstehenden Verteidigungsabkommen innerhalb der NATO und der EU. Zusätzlich ist zu beobachten, dass Washington in letzter Zeit fast schon misstrauisch genau auf die Bereitschaft europäischer Staaten blickt, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen – eine Forderung, die wohl unabhängig von Trumps Stimmungen an die Adresse Berlins geht. Nicht vergessen sollte man: Die Logistik und Verfügbarkeit westlicher Waffensysteme bleibt turbulent, da viele Produktionslinien (z.B. für Marschflugkörper) schlichtweg ausgelastet oder sogar überfordert sind. Das rückt die Frage nach europäischer Eigenproduktion wieder stärker in den Fokus. Laut aktuellen Artikeln in der SZ und Zeit stehen auch Diskussionen über deutsch-amerikanische Kooperationen bezüglich Rüstungsproduktion und Technologietransfer ganz oben auf der politischen Agenda.