Eigentlich sollte man meinen, Kinder hätten in gesellschaftlichen Debatten einen garantierten Rückhalt – doch genau daran zweifelt Berlins Familiensenatorin, wenn sie die aktuellen Pläne sieht. Günther-Wünsch betonte im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" eine deutliche Warnung: Es ginge nicht an, dass ausgerechnet Kinder die Konsequenzen tragen müssen, wenn ein Elternteil sich um seine Unterhaltspflichten drückt. Die Idee, die Unterstützung künftig bereits ab dem 16. Lebensjahr zu streichen, hält sie dementsprechend für problematisch.
Gleichzeitig fordert sie ein entschlosseneres Vorgehen gegenüber denjenigen, die sich ihrer finanziellen Verantwortung entziehen – meist Väter, wie sie nüchtern anmerkt. Die Palette möglicher Sanktionen ist breit: Günther-Wünsch ist dafür, den Führerschein säumiger Eltern einzuziehen, Fahrzeuge zu pfänden oder auch mit den Daten der Jobcenter abzugleichen, um Zahlungsverweigerern auf die Schliche zu kommen. Sogar Haftstrafen will sie leichter verhängen lassen können – ein Punkt, bei dem sie weder beschönigt noch lange abwägt.
Ein Blick auf die nackten Zahlen macht deutlich, worum es geht: Im Jahr 2023 waren in Berlin rund 47.344 Kinder auf Unterhaltsvorschuss angewiesen – die ausbezahlte Summe: 182,1 Millionen Euro. Besonders viel Geld floss mit 28,6 Millionen Euro an Jugendliche im Alter von 16 oder 17 Jahren. Auch ernüchternd: Der Staat kann nur gut 15 Prozent der Vorschüsse zurückholen, also bleibt Berlin auf der großen Mehrheit der Mittel sitzen. Etwas, das zu denken gibt – auch unabhängig vom Parteizugehörigkeit.
Günther-Wünsch stellt klar: Eine Kürzung des Unterhaltsvorschusses auf das 16. Lebensjahr sieht sie kritisch. Sie fordert stattdessen gezieltere und auch härtere Sanktionen gegen Eltern, die sich der Unterhaltszahlung verweigern, und plädiert unter anderem für Entzug des Führerscheins, Pfändung von Autos oder Vereinfachungen bei der Verhängung von Haftstrafen. Neueste Medienberichte ergänzen: Familienverbände warnen generell vor weiteren Belastungen für Alleinerziehende und fordern, staatliche Leistungen wie den Unterhaltsvorschuss eher auszuweiten als abzuschaffen – nicht zuletzt, weil die Kinder von Armut bedroht sind und der Rückgriff auf die Eltern oft ineffizient bleibt. Zahlen bundesweit belegen, dass die Rückholquote beim Vorschuss auch woanders niedrig ist, was die strukturelle Diskussion um Formen der Kinderarmut und Gerechtigkeit anfeuert. Zudem gibt es erneut Diskussionen im Bundestag sowie in den Länderparlamenten, wie mit dem Spagat zwischen Haushaltslage und sozialer Verpflichtung umgegangen werden soll.