Kürzlich wurde in der Zeitschrift "Nature" eine Studie veröffentlicht, die von Forschenden der Cornell University zusammen mit Beteiligung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) durchgeführt wurde. Darin steht: Wenn die Weltbevölkerung sich in naher Zukunft gesünder und nachhaltiger ernähren würde, könnten wir nicht nur tonnenweise Tiere in der Landwirtschaft einsparen, sondern auch erheblich weniger Land verbrauchen. Interessanterweise wies schon der letzte EAT-Lancet-Kommissionsbericht, der – wie ich finde – recht visionär daherkommt, darauf hin, dass mit einer planetenfreundlichen Ernährung etwa 15 Millionen vorzeitige Todesfälle jährlich verhindert werden könnten. Aktuell trägt unser Ernährungssystem zu rund einem Drittel aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen bei – also ein echter Klima-Blockbuster, wenn man so will. Die Forschenden verglichen in ihrer Untersuchung zwei mögliche Zukünfte: Einmal den bekannten, alten Trott, und einmal ein Szenario mit mehr Obst, Gemüse und weniger Verschwendung.
Nach Ansicht von Hermann Lotze-Campen (PIK) wäre es auf Dauer sogar günstiger, den Wandel zu wagen. Ihm zufolge würde eine globale Ernährungswende bis 2050 den Wert landwirtschaftlicher Produktion ungefähr auf dem Niveau von 2020 einpendeln lassen, aber Umwelt und Gesellschaft einiges an Folgekosten ersparen. Die Forscher rechnen damit, dass die landwirtschaftlich genutzte Fläche weltweit um beinahe zehn Prozent schrumpfen könnte und der Wert der Viehwirtschaft sogar rund 60 Prozent niedriger wäre. Matt Gibson, der Hauptautor, spricht davon, dass die „gesamtlandwirtschaftliche Produktion“ in der optimistischeren Variante um 17 Prozent absinkt – das meiste aufgrund verringerter Viehzahlen. Nicht ganz ohne: Nach den Berechnungen würden CO2-Emissionen durch Landnutzungswechsel um satte 76 Prozent sinken, Methan und Lachgas um etwa ein Drittel.
Die Studie unterstreicht, wie weitreichend Veränderungen in der Ernährungspolitik für Klimaschutz, Umwelt, aber auch menschliche Gesundheit sein können – und das über Ländergrenzen hinweg. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern verstärkt die globale Einführung der Planetary Health Diet sowie den beherzten Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Das Thema sorgt weltweit für Diskussionen, denn noch fehlt es an politischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlicher Akzeptanz für dieartige radikale Veränderungen. Eine aktuelle Ergänzung: Laut Süddeutscher Zeitung laufen derzeit neue Pilotprojekte in Deutschland, bei denen Kommunen zusammen mit Landwirt:innen nachhaltige Ernährungskonzepte vor Ort erproben – ein Ansatz, der sowohl auf Akzeptanz wie auf regionale Besonderheiten Rücksicht nimmt. Außerdem berichtet die FAZ, dass auf europäischer Ebene wieder vermehrt über Subventionssysteme diskutiert wird, um nachhaltigere Praktiken zugänglicher zu machen. Die DW hebt hervor, dass die Transformation nur gemeinsam mit Verbrauchern, Politik und Wirtschaft gelingen kann – Schlagworte wie Transformation, Transparenz und Bildung werden dabei immer wichtiger.