Am vergangenen Montag informierte die neue EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas über frische Sanktionen, die gezielt neun Personen und vier Organisationen aus Russland betreffen. Dabei im Visier: Agenten des Militärgeheimdienstes GRU, mutmaßliche Cyber-Kriminelle sowie sogenannte 'Hacktivisten' und Firmen, die nach Ansicht der EU eine Schlüsselrolle bei Angriffen auf EU-Staaten und internationale Partner spielen. Neben der EU hat Großbritannien parallel gleichartige Sanktionen durchgesetzt – ein wohl abgestimmtes Signal. Hintergrund ist laut Brüssel eine konkrete Cyber-Offensive russischer Akteure, für die insbesondere das 16. Zentrum des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB verantwortlich gemacht wird. Diese Einheit soll Hackergruppen wie TURLA koordinieren und seit Jahren eine ganze Palette an Angriffen vorantreiben – darunter das Lahmlegen von Behördennetzwerken oder gezielte Störungen wichtiger Infrastruktur. Besonders betroffen: Frankreich, Polen, Deutschland und Finnland. Das Auswärtige Amt hat seinerseits die Kritik an Moskau durch die Einbestellung des russischen Botschafters in Berlin unterstrichen – offenbar will man kein Blatt mehr vor den Mund nehmen.
Die jüngsten EU-Sanktionen gegen Russland spiegeln die wachsende Besorgnis über Cyber-Angriffe wider, die zunehmend als Waffe hybrider Kriegsführung verstanden werden. Laut europäischen Sicherheitskreisen nehmen russische Gruppen staatliche wie privatwirtschaftliche Ziele ins Visier, um Unsicherheit und Chaos zu stiften; besonders kritisch betrachtet man dabei die Versuche, Wahlprozesse oder Energieversorgung zu manipulieren. Zeitgleich diskutiert man in Brüssel und Berlin, wie man die eigene Cyber-Resilienz stärken und die Koordinierung mit Partnern wie Großbritannien und den USA verbessern kann. Interessant ist auch: Während Russland in offiziellen Statements alle Beschuldigungen zurückweist, arbeiten Geheimdienste in mehreren betroffenen Ländern offenbar schon an Abwehrmaßnahmen und Gegenstrategien. Unklar bleibt, wie effektiv die neuen Sanktionen sind – in der Vergangenheit zeigten sich russische Akteure wenig beeindruckt, suchten stattdessen nach neuen Schlupflöchern und Ansätzen.