Nach dem Tod von Lindsey Graham: Berlin blickt mit gemischten Gefühlen in die USA

Nach dem überraschenden Tod des US-Senators Lindsey Graham fragt sich die Bundesregierung, wie es mit den engen transatlantischen Beziehungen und der Russlandpolitik weitergeht. Im Kanzleramt schätzt man Grahams Beitrag – doch was bringt die politische Zukunft?

heute 13:33 Uhr | 5 mal gelesen

Senator Lindsey Graham galt als überzeugter Fürsprecher für eine harte Linie gegenüber Russland – gemeinsam mit anderen Senatoren setzte er sich bis zuletzt für schärfere Sanktionen ein. Noch vor wenigen Tagen hatte er sich hierzu persönlich mit Ex-Präsident Donald Trump abgesprochen. Im politischen Berlin rechnet man fest damit, dass sein Eintreten gegen Putins Politik in den kommenden Monaten weiterwirkt. Gleichwohl ist man angesichts des plötzlichen Verlusts nicht ohne Sorge: "Wir hoffen, dass sein Engagement nicht ins Leere läuft", äußerte Regierungssprecher Meyer, sichtlich nachdenklich. So viel ist klar: Ohne starken Fürsprecher wie Graham könnte die deutsch-amerikanische Abstimmung in Sachen Russland und Ukraine-Taktik schwieriger werden – vor allem, wenn der innenpolitische Druck in den USA wächst. Graham, stets auf Draht zwischen Transatlantik und Kapitol, war für viele in Berlin einer der Garanten, dass die USA nicht am europäischen Einsatz für die Ukraine zweifeln. Jetzt, nach seinem Tod, bleibt die Hoffnung, dass sich seine Kompromisskunst und sein direktes Draht zu Trump positiv fortsetzen. Und dennoch herrscht ein bestimmtes Unbehagen, ob der Drahtseilakt zwischen parteiübergreifender Solidarität und den neuesten US-internen Wehen gelingt. Manche vergleichen die Lage mit einer Brücke, bei der plötzlich ein tragendes Pfeilerfeld fehlt – Stabilität ist nun keine Selbstverständlichkeit mehr.

Lindsey Graham war ein strategischer Architekt der scharfen US-Sanktionspolitik gegen Russland und eine Schlüsselfigur in den transatlantischen Beziehungen – insbesondere im Zusammenspiel mit Berlin. Seine Vermittlerrolle zwischen Republikanern, Trump und europäischer Politik verschaffte ihm großes Ansehen und – nicht unwichtig – half dabei, die US-Unterstützung für die Ukraine auch durch wechselvolle politische Gewässer aufrechtzuerhalten. Nach seinem plötzlichen Tod ist Berlin zwar offiziell optimistisch, doch Gespräche in politischen Kreisen zeigen eine gewisse Nervosität: Wie wird die Russlandpolitik der USA sich ohne Graham weiterentwickeln? Wer wird künftig zwischen den Parteien vermitteln? Die kommenden Wochen dürften entscheidend werden, ob seine Linie im Kongress Bestand hat oder anderen, womöglich weniger europafreundlichen Kräften Platz machen muss. In aktuellen Medienberichten wird dieses Thema vielseitig diskutiert. So berichtet die "FAZ" detailliert über den wachsenden Einfluss der Hardliner im US-Senat nach Grahams Tod, während die "Zeit" den Fokus auf die veränderte Rollenkonstellation zwischen Trump und den gemäßigten Republikanern legt. Internationale Beobachter bei "DW" wiederum analysieren die möglichen Auswirkungen auf die EU-Außenpolitik im Ukrainekonflikt. Ergänzend dazu: Lindsey Graham prägte die US-Politik durch sein Engagement in Verteidigungs- und Sicherheitsfragen weit über die Parteigrenzen hinaus. Er hinterlässt eine Lücke, die sich sowohl im US-Kongress als auch für die transatlantische Zusammenarbeit bemerkbar machen wird. Berlin muss nun neu ausloten, wie belastbar die gemeinsame Russlandstrategie bleibt.

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