Lindsey Graham war ein strategischer Architekt der scharfen US-Sanktionspolitik gegen Russland und eine Schlüsselfigur in den transatlantischen Beziehungen – insbesondere im Zusammenspiel mit Berlin. Seine Vermittlerrolle zwischen Republikanern, Trump und europäischer Politik verschaffte ihm großes Ansehen und – nicht unwichtig – half dabei, die US-Unterstützung für die Ukraine auch durch wechselvolle politische Gewässer aufrechtzuerhalten. Nach seinem plötzlichen Tod ist Berlin zwar offiziell optimistisch, doch Gespräche in politischen Kreisen zeigen eine gewisse Nervosität: Wie wird die Russlandpolitik der USA sich ohne Graham weiterentwickeln? Wer wird künftig zwischen den Parteien vermitteln? Die kommenden Wochen dürften entscheidend werden, ob seine Linie im Kongress Bestand hat oder anderen, womöglich weniger europafreundlichen Kräften Platz machen muss. In aktuellen Medienberichten wird dieses Thema vielseitig diskutiert. So berichtet die "FAZ" detailliert über den wachsenden Einfluss der Hardliner im US-Senat nach Grahams Tod, während die "Zeit" den Fokus auf die veränderte Rollenkonstellation zwischen Trump und den gemäßigten Republikanern legt. Internationale Beobachter bei "DW" wiederum analysieren die möglichen Auswirkungen auf die EU-Außenpolitik im Ukrainekonflikt. Ergänzend dazu: Lindsey Graham prägte die US-Politik durch sein Engagement in Verteidigungs- und Sicherheitsfragen weit über die Parteigrenzen hinaus. Er hinterlässt eine Lücke, die sich sowohl im US-Kongress als auch für die transatlantische Zusammenarbeit bemerkbar machen wird. Berlin muss nun neu ausloten, wie belastbar die gemeinsame Russlandstrategie bleibt.