BMW-Chef Zipse und das Carsharing-Experiment: Ein Balanceakt mit Nachklang

Oliver Zipse, der scheidende BMW-Vorstand, blickt mit gemischten Gefühlen auf den Ausflug seines Konzerns ins Carsharing zurück.

heute 17:10 Uhr | 3 mal gelesen

Im Nachgang seiner Zeit an der BMW-Spitze räumt Zipse ein, dass man bei der Entscheidung pro Carsharing – konkret im Joint Venture ShareNow gemeinsam mit Mercedes-Benz – wohl klüger hätte agieren können. Rückblickend wirkt das Ganze wie ein Versuch, auf der Welle der Mobilitätswende mitzuschwimmen, der dann aber 2022, spektakulär aber verlustreich, stranden musste. Interessanterweise strahlt Zipse trotz der angespannten Lage auf dem Automarkt eine fast stoische Ruhe aus. Sein Credo? Offen für jegliche Antriebstechnologien bleiben, sich international breit aufstellen und unbedingt den Kunden in den Mittelpunkt rücken. "Wir müssen nicht akut alles umkrempeln – unser Kurs stimmt noch", meint er. Und das in einer Zeit, in der deutsche Wirtschaftsskepsis oft lauter ist als echter Unternehmergeist. Zipse plädiert da lieber für mehr Mut, ein bisschen weniger Selbstmitleid. "Deutschlands Trumpf bleibt das globale Netzwerk – das darf auf keinen Fall verspielt werden." Persönlich gibt er sich angriffslustig wie eh und je: Weniger Termin-Hamsterrad, aber, so bleibt er vage, Rückzug sieht anders aus. Neugier bleibt – auch bei ihm.

BMWs Ex-Chef Zipse sieht den Ausstieg aus dem Carsharing-Venture ShareNow inzwischen durchaus kritisch, nicht zuletzt, weil die bewegten Jahre einen dauerhaften Eindruck hinterlassen haben. Inzwischen forciert BMW eine flexible Strategie; die Bandbreite reicht von Elektroautos über Hybrid bis zum klassischen Verbrenner – wohin die Reise letztlich geht, lässt der Konzern offen. Branchenkenner diskutieren immerhin, ob der technologische Spagat trotz aller Bekenntnisse Zukunft hat – während wirtschaftspolitisch der Fokus vermehrt auf globaler Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsbereitschaft liegt. Neuere Berichte aus der Automobilpresse zeigen, dass die deutsche Industrie weiter auf der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen rund um Mobilitätsdienstleistungen ist, wobei Sharing-Konzepte vielerorts überdacht oder ganz eingestellt werden. Im aktuellen Zahlenwerk von BMW spiegeln sich die Unsicherheiten am Automarkt mit schwächelnden Absätzen und zunehmendem Preisdruck wider, während sich die Suche nach neuen Erlösquellen fortsetzt. Gerade in Zeiten, in denen E-Mobilität und Vernetzungsstrategien an Tempo zulegen, bleibt abzuwarten, wie der Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft gelingt.

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