Pharmaindustrie und EU-Institutionen prallen derzeit aufeinander: Die grundlegende Zielsetzung der EU, die eigene Produktion von Arzneimitteln mit dem Critical Medicines Act (CMA) zu stärken, soll eigentlich die Abhängigkeit von Lieferketten außerhalb Europas reduzieren. Gleichzeitig bringt die neue Abwasserrichtlinie KARL, die ab Anfang 2025 gilt, massive Mehrkosten für europäische Arzneimittelhersteller mit sich. Dies führe, so BPI-Hauptgeschäftsführer Kai Joachimsen, zu einer paradoxen Lage. Denn auch wenn der Schutz unserer Umwelt unstrittig ist, stellt sich die Frage, ob die geplante Kostenbeteiligung – immerhin vor allem für Unternehmen mit Sitz in der EU – letztlich die Sicherheit der Arzneimittelversorgung gefährdet. Besonders problematisch sieht der BPI den Zeitpunkt der Einführung, da belastbare Studien zu den ökonomischen wie auch gesundheitlichen Folgen bislang fehlen. Joachimsen fordert daher ein vorläufiges „Innehalten“ der EU-Institutionen, bis alle Auswirkungen besser abschätzbar seien. Seine Kernbotschaft: Es braucht ein echtes Ringen um praktikable Lösungen – ohne die Versorgungssicherheit fahrlässig aufs Spiel zu setzen.
Die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie, die ab 2025 schrittweise umgesetzt werden muss, ist in ihren Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung und die heimische Pharmaindustrie hochumstritten. Kritiker wie der BPI verweisen darauf, dass die geplante Kostenumlage auf Hersteller zwar ökologische Ziele verfolgt, aber gleichzeitig große Unsicherheit für die Produktionsstandorte und insbesondere für Generika und unentbehrliche Medikamente schafft. Aktuelle Recherchen und Einschätzungen zeigen zudem, dass die Problematik politisch polarisiert und eine sorgfältige, unabhängige Folgenabschätzung bislang fehlt: Laut taz wird innerhalb der pharmazeutischen Verbände eine drohende Produktionsverlagerung in Billiglohnländer diskutiert (Stand 07.06.2024), während der Spiegel auf eine mögliche Verteuerung von Grundarzneien und Engpässe im Bestandssystem hinweist. Das Europaparlament steht unter dem Druck, zwischen Umweltinteressen und Versorgungssicherheit zu vermitteln.