Özdemir: Ein Zeichen für Kinder aus Arbeiter- und Einwandererfamilien

Für Cem Özdemir, den voraussichtlichen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, bedeutet seine bevorstehende Wahl mehr als persönlichen Erfolg – sie sendet eine ermutigende Botschaft an Kinder mit Migrationsgeschichte und aus Arbeiterhaushalten. 'Ich stelle mir oft vor, wie meine Eltern – sie sind längst nicht mehr hier – stolz von irgendwo zusehen, was aus dem Sohn einer Gastarbeiterfamilie werden kann', erzählte Özdemir dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

vor 39 Minuten | 3 mal gelesen

Özdemir hofft, dass nicht nur Migrantenkinder, sondern auch solche aus Arbeiterfamilien sich durch seinen Weg ermutigt fühlen. Viel hängt, so meint er, davon ab, dass man engagierte Unterstützende findet – engagierte Lehrerinnen, fördernde Trainer, verständnisvolle Freundeseltern oder einfach Nachbarn, die einem Türen öffnen. 'Wenn man sich reinhängt, begegnet einem in diesem Land mehr Rückenwind, als man denkt.' Das sieht Özdemir als Aufmunterung für alle, die noch zögern, ihren eigenen 'badisch-schwäbischen Traum' anzupacken. Übrigens: Özdemirs Vater schuftete in einer Textilfabrik, die Mutter betrieb ein kleines Schneideratelier – Aufstieg aus einfachen Verhältnissen also. Gökay Sofuoglu von der Türkischen Gemeinde Deutschlands kommentierte beim RND, es spiele eigentlich keine Rolle, wie Özdemir politisch steht: allein, dass ein Deutscher mit türkischen Wurzeln das Amt des Ministerpräsidenten bekleidet, sei schon ein Riesenschritt. 'Özdemir ist ein bedeutendes Vorbild gerade für Jugendliche mit Einwanderungsgeschichte.' Eine Erfolgsgeschichte, die weitere inspirieren mag – so Sofuoglu.

Cem Özdemirs voraussichtliche Wahl zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gilt als ein ermutigendes Signal für Kinder, die aus Einwandererfamilien oder Arbeiterhaushalten stammen. Seine Geschichte zeigt: Mit Durchhaltevermögen, unterstützendem Umfeld und der Bereitschaft, Chancen zu nutzen, ist gesellschaftlicher Aufstieg in Deutschland durchaus möglich – auch wenn immer wieder strukturelle Hürden zu nehmen sind. In aktuellen Kommentaren betonen viele Stimmen, wie wichtig repräsentative Vorbilder für ein inklusiveres, vielfältigeres Deutschland gerade in turbulenten Zeiten sind. Ergänzlich wird mittlerweile auch thematisiert, wie viele Türen in Politik und Verwaltung trotz dieses Erfolges für Menschen mit Migrationsgeschichte weiterhin schwer zugänglich bleiben. Laut Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ liegt der Anteil von Politikerinnen und Politikern mit Migrationshintergrund in deutschen Landtagen bei lediglich 8 Prozent, deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt in der Bevölkerung. In Debatten der letzten zwei Tage werden dabei nicht nur Fragen nach Vorbildern, sondern auch nach struktureller Chancengleichheit, gezielter Förderung im Bildungssystem und Abbau von Diskriminierungen immer lauter gestellt.

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