Brünn im Fokus: Tschechien lehnt Sudetendeutschen Tag in eigenen Grenzen ab

Petr Macinka, der tschechische Außenminister, spricht sich entschieden gegen die Austragung des Sudetendeutschen Tages in Brünn aus.

heute 16:26 Uhr | 1 mal gelesen

Erstmals soll der Sudetendeutsche Tag nicht auf deutschem Boden, sondern zu Pfingsten in Brünn (Brno) tagen – genau das bringt Petr Macinka, den tschechischen Außenminister, auf die Palme. "Das ist aus meiner Sicht äußerst unglücklich gelaufen", zitiert ihn die FAZ. Macinka wirft Bernd Posselt, Chef der Sudetendeutschen Landsmannschaft, vor, das Echo in Tschechien massiv unterschätzt zu haben: Wunschdenken und ein wenig Realitätssinn, so die Vorwürfe. Posselt kooperiere zudem mit einer NGO, die, sagen wir diplomatisch, innerhalb Tschechiens eher ein Schattendasein fristet. Die Reaktion im Land? Durchwachsen, ja zweigeteilt, sagt Macinka. Die große Mehrheit zuckt mit den Schultern, aber gerade die Älteren stört es gewaltig – das seien keine lauten Protestierer, dennoch wolle man das Treffen nicht in der Stadt haben. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) werden auch erwartet. Die Regierung in Prag bleibt bei ihrer Ablehnung. Noch diese Woche steht eine offizielle Stellungnahme des Parlaments auf dem Tisch. Macinka hält nichts davon, dass Söder und Dobrindt in Brünn einen angenehmen Tag verbringen werden. Ganz wichtig sei aber: Das richte sich nicht explizit gegen Deutschland und ändert nichts an der grundsätzlich guten Nachbarschaft zwischen Prag und Berlin.

Die geplante Austragung des Sudetendeutschen Tages in Brünn sorgt in Tschechien für eine gereizte Stimmung, vor allem unter älteren Bürgern, während der Großteil der Bevölkerung wenig Interesse zeigt. Außenminister Macinka sieht das Treffen kritisch, wirft den Organisatoren Realitätsverlust und fehlendes Gespür für die tschechische Gesellschaft vor und befürchtet diplomatische Spannungen. In aktuellen Berichten betonen Experten, dass die Debatte die komplexe Erinnerungskultur und den Zwiespalt um die historische Aufarbeitung zwischen Tschechien und Deutschland erneut offenlegt; auch aktuelle Stimmen aus der deutschen Politik plädieren für Dialog und Sensibilität im Umgang mit der Vergangenheit.

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