Das Urteil des Bundesrechnungshofs, das am 8. Juni von Oliver Sievers im Auftrag der Behörde erstellt wurde, sorgt für Diskussionsstoff. Im Zentrum steht die geplante Kürzung des Bundeszuschusses, die Bundesfinanzminister Lars Klingbeil für die kommenden Jahre vorgesehen hat: Schon ab 2027 sollen die jährlichen Zahlungen an die gesetzlichen Krankenkassen von 14,5 auf 12,5 Milliarden Euro gedrückt werden. Damit finanziert der Staat bislang versicherungsfremde Sozialleistungen wie die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern.
Ja, der Plan sieht vor, dass die Kassen im selben Zeitraum verstärkt Mittel für Menschen in Grundsicherung bekommen. Ab 2031 soll dieser Betrag jährlich um zwei Milliarden Euro anwachsen. Aus Sicht der Rechnungshof-Experten ist das jedoch keinesfalls ein vollwertiger Ausgleich. Bis 2031 ergibt sich rechnerisch sogar ein Mittelverlust von knapp 4,8 Milliarden Euro gemessen am jetzigen Niveau. Für die Beitragszahler wird es also nicht leichter, sondern vermutlich eher schwerer.
Zusätzlich kritisieren die Prüfer, dass die beschlossene Absenkung im Grunde keiner wirklichen Logik folgt. Das Finanzministerium habe die Maßnahme „auf Zuruf“ ins Sparpaket von Ministerin Warken gedrückt. Laut Gutachten sind die Kürzungen ohne sachliche Koppelung an die Entwicklung der tatsächlichen Kosten der Krankenkassen gesetzt – ein bisschen wie mit der Schere ohne Maßband.
Kurzum: Solange nicht klar ist, dass versicherungsfremde Leistungen tatsächlich günstiger werden, besteht aus Sicht der Prüfer wenig Anlass, den Krankenkassen weniger Geld zukommen zu lassen. Aber politisch ist noch nichts endgültig entschieden.
Im aktuellen Streit um die Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen bringt das Gutachten des Bundesrechnungshofs Klarheit, aber auch neue Fragen. Ministerin Warken steht unter Druck, die Haushaltssituation zu stabilisieren, bemüht sich aber um Balance zwischen Sparzwang und sozialer Verantwortung. Laut dem Gutachten droht die Finanzierungslücke zulasten der Beitragszahler zu gehen, gerade weil die geplanten Kürzungen weder an belastbare Daten noch an nachvollziehbare Kostenentwicklungen geknüpft sind. Offenbar besteht politisch weiterhin Uneinigkeit, welche Wege wirklich nachhaltig und gerecht sind – ein Balanceakt mit offenem Ausgang.
Nach Recherchen in aktuellen Medien spitzt sich die Debatte um die Zukunft der gesetzlichen Krankenkassen weiter zu. Die Regierung ringt um glaubwürdige Antworten auf wachsende Kosten und den Sozialstaat im Umbruch. Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen: drastische Kürzungen bergen das Risiko, soziale Schieflagen zu verschärfen, auch wenn sie kurzfristig Haushaltslöcher stopfen. (Details siehe Erweiterung unten.)