Berlin, ein – vielleicht zu sonniger – Montagvormittag: Im Kanzleramt laufen gleich zwei Anzugträger mit strengem Blick über den Kies. Johann Wadephul (CDU) und Boris Pistorius (SPD) empfangen Richard Marles und Penny Wong, kurz: die Sicherheits-Chefs Australiens. Wer dabei an kleine, nett gemeinte Absichtserklärungen glaubt, wird eines Besseren belehrt. Es geht um handfeste gemeinsame Interessen. Die Top-Politiker beider Staaten sprechen Klartext: Russland muss die Ukraine verlassen und darf nicht auf „halbem Weg“ gestoppt werden. Gleiches gilt auch in Richtung Iran – freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus ist laut beiden Regierungen ein Muss. Und im Indopazifik, wo sich geopolitische Spannungen aufbauen wie Gewitter am Spätnachmittag, wollen beide Seiten „Widerstandskraft“ zeigen. Die Botschaften bleiben eindeutig: Keine einseitigen Änderungen im Taiwan-Konflikt, Einhaltung des Völkerrechts, und mehr Übungen sowie logistische Kooperation bei der Verteidigung. So ein bisschen bleibt eine gewisse Skepsis: Reichen schöne Worte und neue Manöver wirklich, um in so aufgeladenen Regionen etwas zu bewegen?
Deutschland und Australien setzen auf engere Zusammenarbeit bei Sicherheit und Verteidigung, nicht zuletzt angesichts globaler Krisenherde wie Ukraine, Iran und Taiwanstraße. Besonders der Indo-Pazifik rückt dabei ins Blickfeld, wo beide Länder gemeinsam gegen einseitige Machtverschiebungen und für den Erhalt internationaler Normen eintreten wollen. Während in Berlin Verstärkung der gemeinsamen Übungen und schnellere Truppenverlegungen beschlossen werden, bleibt offen, ob dies vor Ort wirklichen Einfluss haben wird. Auch deutsche Medien berichten vermehrt über die Verstärkung von Partnerschaften, etwa mit Südkorea oder Japan, als Teil einer generellen Neuausrichtung deutscher Außenpolitik in Richtung des Indo-Pazifik (vgl. aktuelle Artikel in Zeit Online und FAZ). Zudem stehen wirtschaftliche Interessen und Technologietransfer auf der Agenda, angesichts wachsender Bedeutung Australiens als Rohstoff- und Forschungspartner.