Chemieindustrie in Deutschland: Stimmungstief und düstere Prognosen

Der März bringt der deutschen Chemiebranche herbe Rückschläge: Das Geschäftsklima ist spürbar in den Keller gerutscht.

heute 08:00 Uhr | 3 mal gelesen

Manchmal genügt ein Blick auf die Zahlen, um zu ahnen, dass sich etwas grundlegend verschoben hat. Der Indikator des Ifo-Instituts für die chemische Industrie kehrte im März mit -25,0 Punkten auf einen minus-lastigen Tiefpunkt zurück – im Februar waren es noch -16,7. Besonders alarmierend: Bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sackte der Wert von -21,2 auf -31,9 Punkte ab. Da hilft kein Schönreden. Die Erwartungen für die Zukunft? Ebenfalls trist. Von -12,1 auf -17,9 Punkte. Branchenexpertin Anna Wolf vom Ifo-Institut brachte es auf den Punkt: Die bereits angeschlagene Chemiebranche wird von den unsicheren Zeiten im Nahen Osten zusätzlich getroffen. Die Auftragsbücher: dünn wie nie. Und mit den steigenden Preisen für Öl, Rohstoffe und Energie wächst der Druck noch weiter. Interessanterweise versuchen manche Unternehmen offenbar, die höheren Kosten durch Preissteigerungen weiterzugeben – trotz der bereits wackeligen Nachfrage. Tragisch, aber fast schon erwartbar: Die Erwartungen beim Personal drücken ebenfalls drastisch ab, historisches Tief mit -32,1 Punkten. Scheinbar bleibt vielen Betrieben nichts, als an den Arbeitskräften zu sparen – unfreiwillig zwar, aber die wirtschaftlichen Zwänge lassen offenbar keine Alternative. Kurzum: Die Stimmung ist mies, Auswege fehlen.

Die chemische Industrie in Deutschland kämpft aktuell mit einem massiven Einbruch des Geschäftsklimas. Die Branche leidet sowohl unter strauchelnden Aufträgen als auch unter den Teuerungen bei Rohstoffen und Energie – der jüngste Iran-Konflikt verschärft die Unsicherheiten erheblich. Zuletzt machten die großen Chemiekonzerne mehrfach auf die Standortprobleme und einen sich verschärfenden globalen Wettbewerb aufmerksam; manche Unternehmen stellen sogar Teile der Produktion ins Ausland um, während im Inland Arbeitsplätze auf der Kippe stehen. Angesichts der Abwärtsspirale geraten nicht nur kleine und mittelständische Betriebe unter Druck, sondern auch Platzhirsche wie BASF oder Covestro. Immer häufiger taucht in Debatten das Thema „Deindustrialisierung“ auf – kein Zufall angesichts hoher Energiekosten und schwacher Wettbewerbsfähigkeit. So warnte zuletzt auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) vor weiteren Rückgängen der Produktion und forderte politisch rasche Gegenmaßnahmen, insbesondere bei den Energiepreisen und dem Bürokratieabbau.

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