Irgendwie klingt es fast absurd und doch ziemlich praktisch: Zwischen Wellen von Bands und Matsch taucht plötzlich ein Supermarkt auf. Mit seinen Lidl Rock Stores zeigt der bekannte Discounter, dass er die Festival-Crowd ernst nimmt – und zwar nicht nur mit Dosenbier. Etwa 350 Artikel haben Einzug gehalten: Salat, Croissants, Grillgut und Getränke, aber eben auch Zelte, Campingstühle und all der Kram, den man sonst immer vergessen würde. Bis zu 16 (!) Kassen gibt es – man mag an einen kleinen Flughafen denken, aber es ist tatsächlich ein Zeltmarkt!
Beim Preis? Ganz der Discounter, kein Aufschlag fürs Festivalfieber. Damit hat sich das schwere Vorausplanen und Schleppen erledigt – man kann sogar einen Bollerwagen mieten für den Nachschub zur Campingleinwand. Mindestens genauso begehrt wie Zelt und Grill: die limitierten Lidl-Fanartikel. Trainingsanzüge, Ponchos, Fischerhüte – der schnelle Run darauf gehört bei eingefleischten Festivalgängern zum guten Ton.
Es bleibt aber nicht beim Einkaufen. Lidl weitet das Angebot jedes Jahr aus: Der Yoga-Bereich – jetzt noch größer – bringt erstaunlich frühmorgens Menschen auf die Matte. Später übernimmt ein DJ und es wird wild getanzt, gequizzt und geplaudert. Wer mag, holt sich schillernde Lidl-Tattoos oder den Glitzer fürs Gesicht. Und für den kleinen Energiekick dazwischen oder das leere Handy gibt’s die Load Up-Lounge: kostenlose Elektrolytgetränke und Smartphone-Ladestationen.
Nicht zu vergessen: Die ganze Aktion ist ein bewährtes Azubiprojekt. Über 300 Lidl-Leute, zum Großteil Azubis, packen vor Ort mit an – quasi ein Crashkurs im Highspeed-Handel, der sicher auf keinem Lehrplan steht. Ach ja, und geöffnet ist, solange die Musik spielt. Am Montag wird abgebaut – Zeit, wieder zurück in die echte Welt zu kommen.
Lidl baut schon seit einigen Jahren temporäre Festivalfilialen bei großen Events wie Rock am Ring und Rock im Park auf und hat das Konzept mittlerweile verfeinert: Mit etwa 350 passgenauen Produkten zum Standardpreis und zusätzlichen Angeboten wie Yoga, Partys und einer Lounge für das Handy-Aufladen spricht man gezielt die vielschichtige Festivalkultur an. Der Clou: Die Stores werden als Ausbildungsprojekt geführt, in dem Azubis Verantwortung übernehmen und Festivalgänger optimal versorgt werden – das ist nicht nur versorgungstechnisch clever, sondern signalisiert auch einen modernen, partizipativen Ansatz im Einzelhandel. Im Internet finden sich Berichte unterschiedlichster Couleur über ein sich wandelndes Festivalerlebnis, in dem der Supermarkt längst Teil des Gesamterlebnisses geworden ist und der Wettbewerb um Services und Lifestyle-Angebote auf Festivalgeländen stetig zunimmt; in jüngsten Artikeln wird zudem auf steigende Preise bei Getränken und Lebensmitteln auf üblichen Festivalarealen verwiesen, was das Lidl-Konzept besonders attraktiv erscheinen lässt – gerade dieses Jahr, wo Inflation und Preisbewusstsein das Konsumverhalten vieler Besucher beeinflussen.