Jörg Wuttke, der alte Hase unter den europäischen China-Kennern, wirft den offiziellen Wirtschaftsstatistiken ein gerüttelt Maß Skepsis entgegen. Obwohl Peking stolz von fünf Prozent Wachstum spricht, winkt Wuttke (wie übrigens viele seiner Kollegen) ab: Zwei, höchstens drei Prozent – so lauten seine nüchternen Schätzungen. Und diese kommen nicht aus der Luft gegriffen: Ein alterndes Land, das langsam aus dem demographischen Tritt gerät, dazu der Kollaps des Immobilienmarkts, der früher einen erstaunlich großen Batzen zur Wirtschaftsleistung beitrug. Was die Zahlen angeht, äußert Wuttke einen altbekannten, aber schwerwiegenden Vorwurf: Je mehr von oben gesteuert wird, umso minderwertiger – und politisch gefärbt – werden die offiziellen Zahlen. Das erinnert fast an ein Theaterstück, in dem die Kulissen imposant sind, hinter denen aber der Putz bröckelt. Ernüchternd auch beim Thema Konsum: Chinas Haushalte, so Wuttke, sparen aus Sorge und bringen ihr Vermögen lieber außer Landes. Die Angst ist ein schlechter Ratgeber für große Sprünge. Interessant ist sein Fazit für Unternehmen: Wer sich nur auf das China-Geschäft verlässt, gerät schnell ins Schlingern; kluge Strategen nutzen die Chancen ohne sich verblenden zu lassen. In Sachen Außenpolitik sieht Wuttke zunehmend Nervosität in Peking – und warnt vor einem riskanteren Gebaren, etwa gegenüber Taiwan. Die modernisierte, aber strukturell nicht auf dem festesten Grund stehende Armee sei da auch kein Stabilitätsfaktor. Das Bild: eine Wirtschaft, die nach außen glänzt, aber im Inneren gefährlich wackelt.
Offiziell vermeldet China ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent, doch laut Stimmen wie Jörg Wuttke, einem gewichtigen westlichen Insider, sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Dem Land machen vor allem die schnelle Überalterung, der schwächelnde Konsum und der angeschlagene Immobiliensektor zu schaffen, der einst die Wirtschaft kräftig stützte. Vertrauenswürdigkeit der Daten ist fraglich – spätestens seit die Regierung verstärkt auf Kontrolle setzt und dabei offenbar die Statistik als politisches Werkzeug nutzt. Ein weiteres Problem: Wohlhabende Chinesen bringen ihr Kapital aus dem Land, was die Investitionen am Heimatmarkt schwächt, während im außenpolitischen Fahrwasser wachsende Risiken drohen. Ergänzend berichten andere aktuelle Medienartikel von der „Anämie“ des Immobilienmarktes, wachsenden Spannungen rund um Taiwan und dem anhaltend schwachen Privatkonsum. Trotz aller Probleme zeigen sich auch Teile der Wirtschaft recht widerstandsfähig: So wächst der Techsektor moderat, und einige Reformbestrebungen werden sichtbar. Experten betonen jedoch mehr denn je, dass internationale Firmen strategisch vorsichtig agieren und sich nicht von Scheinblüten blenden lassen sollten.