Commerzbank: Aufsichtsratschef Weidmann hinterfragt deutsches Übernahmerecht

Jens Weidmann, Chef des Commerzbank-Aufsichtsrats, fordert eine kritische Reflexion des deutschen Übernahmerechts – insbesondere wegen des umstrittenen Einstiegs der italienischen Unicredit.

heute 16:59 Uhr | 2 mal gelesen

Der Einstieg von Unicredit bei der Commerzbank hat unerwartet Staub aufgewirbelt. Ausgerechnet mit einem Angebot, das viele Anleger kaum als reizvoll einstufen würden, konnte der italienische Großaktionär seine Kontrolle ausbauen – und das, ohne den übrigen Aktionären für die neue Machtstellung eine übliche Kontrollprämie zu zahlen. Für Jens Weidmann, Aufsichtsratschef der Commerzbank, ist klar: Hier besteht Reformbedarf im deutschen Übernahmerecht. Laut Weidmann hatten die Unicredit und ihr Netzwerk es geschafft, trotz geringer Beteiligung von neutralen Investoren die Kontrolle zu übernehmen – ein Umstand, der für ihn Fragen aufwirft. 'Da müsste der Gesetzgeber eventuell nochmal ran', formulierte er es im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Der Bund, so Weidmann weiter, sollte in naher Zukunft weiterhin Aktionär der Bank bleiben, wenigstens solange sich die Lage noch bewege. Zwar müsse der Staat sich nach und nach zurückziehen – schließlich war sein Einstieg einst nur als Rettungsmaßnahme gedacht – doch aktuell habe er noch eine Schutzfunktion. Auch Unicredit-Chef Andrea Orcel sieht Vorteile darin, wenn der Bund an Bord bleibt. Gleichzeitig zeigt sich Weidmann skeptisch gegenüber schnellen Sparmaßnahmen: Angestrebte Kosteneinsparungen von 1,3 Milliarden Euro, wie Unicredit sie plant, könnten einschneidende Folgen für das Deutschlandgeschäft der Commerzbank haben. Er signalisiert Gesprächsbereitschaft und findet: Nach den oft zähen Übernahmestreitigkeiten sei erstmal Vertrauensarbeit angesagt. Auch die interne Führung stützt Weidmann klar: Der aktuellen Vorständin und ihrem Team gelte sein voller Rückhalt. Über seine persönliche Zukunft im Amt schweigt er jedoch, betont aber sein Interesse an der Entwicklung der Bank – nicht an Posten oder Titeln.

Jens Weidmann, seit über drei Jahren Vorsitzender des Aufsichtsrats der Commerzbank, kritisiert öffentlich die Möglichkeit, dass Aktionäre wie Unicredit mit vergleichsweise niedrigem Angebot und wenig neutraler Beteiligung die Mehrheit übernehmen konnten – ohne eine angemessene Kontrollprämie. Er fordert daher eine Reform des deutschen Übernahmerechts und plädiert für ein vorläufiges Festhalten des Bundes an seiner Beteiligung als Stabilisator im Übernahmekampf. Aktuelle Recherchen in deutschen Medien zeigen: Das Thema Übernahmerecht und Bankenfusionen sorgt allgemein für Unsicherheit, insbesondere nachdem der italienische Bankenkonzern Unicredit seine Expansionspläne in Deutschland weiter vorantreibt und rapide Sparmaßnahmen ankündigt. Die Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter warnen vor Arbeitsplatzverlusten, während politische Stimmen mehr Transparenz bei solchen Transaktionen fordern. Internationale Bankenexperten verweisen zudem auf strukturelle Unterschiede im Übernahmerecht zwischen Italien, Deutschland und anderen EU-Staaten, die zu Wettbewerbsverzerrungen führen könnten.

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